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Hinweis
11.2015




Graz/Salzburg : AA Bronson


von: Patricia Grzonka

  
links: AA Bronson und Ryan Brewer · Blue (detail), 2011, Duratrans-Folie in Leuchtbox, 180x240 cm, Courtesy: Esther Schipper, Berlin
rechts: AA Bronson · AA Bronson's Garden of Earthly Delights, Salzburger Kunstverein, Ausstellungsansicht. Foto: Andrea Rossetti


Was hier ein bisschen skeptisch stimmt und dem offenen Projekt irgendwie entgegenzulaufen scheint, ist die Frage des Labels: Denn als ein kollaboratives Projekt mit mehreren Künstler/innen angekündigt, läuft die Ausstellung allein unter dem Namen AA Bronson. Der kanadische Künstler (1946* in Vancouver) war bekannt als Mitglied der amerikanischen Konzeptkunst- und Aktivistengruppe General Idea, die sich hauptsächlich mit politischen Themen wie Aids oder Schwulenrechten auseinandersetzte. Heute ist er der einzige Überlebende der Gruppe. In Österreich war er diesen Herbst eingeladen, eine in zwei Institutionen parallel laufende Schau zu konzipieren, einerseits in Graz im Rahmen des Steirischen Herbstes, andererseits im Salzburger Kunstverein. An beiden Orten heisst es: AA Bronson.
So lud AA Bronson in beiden Kunstvereinen eine Reihe von vorwiegend jüngeren Künstlern ein, um den Ausstellungsraum in einen freakigen, bunten und manchmal auch meditativ-stimmungsvollen Landschaftsgarten zu verwandeln. Die Gruppe greift auf scheinbar alte, schamanistische, rituelle Praktiken zurück, verwendet magische Pflanzen, Masken oder sinnenbetäubende Düfte und bringt sie in einen aktivistischen Kunstkontext, an dessen Ursprung eine Art Totengedenken und Erinnerungskultur steht. Eine Menge von Body Paintings, textilen Materialien, Performances und queeren Zugängen sind naturgemäss Teil dieser Kunstpraxis. Bereits für die Gwangiu Biennale 2014 hat AA Bronson ein House of Shame zur Erinnerung an die Toten einer verbotenen Demonstration in Gwangiu in einer ­Pagode eingerichtet. Voodoo-Puppen von Reima Hirvonen oder Yeonjune Jungs Wandtapete mit niedlich-grauenerregenden Sujets, aber auch AA Bronsons gemeinsam mit Ryan Brewer in freier Natur entstandene Bodypaintings waren auch damals Teil des Projekts.
Anlässlich der Eröffnung in Graz bezauberten die Performances von Chrysanne Stathacos mit einem Blütenmandala, Michael Dudeck als trauernder Schamane mit einem toten Stör in einem barocken Baldachin - oder ­Igshaan Adams, der in einem textilen Schnecken-
haus kauernd geheime Inschriften auf einem iPad las.
AA Bronsons spiritualistische Praxis ist nicht die einzige Verbindung von Kunst und Magie im gegenwärtigen Kunstgeschehen: Aber im wörtlichen Rückgriff auf religiös-kulturelle Praktiken schafft sie es ganz überzeugend, im Sinne einer (Selbst-)Heilungskunst die Kunst selbst zu reanimieren.

Bis: 29.11.2015



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Ausgabe 11  2015
Ausstellungen AA Bronson [26.09.15-29.11.15]
Ausstellungen AA Bronson [19.09.15-22.11.15]
Institutionen Grazer Kunstverein [Graz/Österreich]
Institutionen Kunstverein Salzburg [Salzburg/Österreich]
Autor/in Patricia Grzonka
Künstler/in AA Bronson
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