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Hinweis
11.2015




Zug : Schiess, Schobinger, Štrba


von: Niklaus Oberholzer

  
links: Bernhard Schobinger · Flaschenhalskette, 1990, ProLitteris, Zurich
rechts: Annelies Štrba · Sonja, 1984 ©ProLitteris


Seit den frühen Achtzigerjahren sammeln Christian und Sonja Graber Kunst. Was ihre Sammlung von anderen unterscheidet: Die beiden Kunstfreunde, in der Computerbranche tätig, vorerst in der Westschweiz, später in Richterswil, sammelten kontinuierlich insgesamt 170 Werke von drei Künstler/innen. Vor allem die Werkgruppen von Schobinger und Štrba geben lückenlos Aufschluss über ihr jeweiliges Lebenswerk, und auch die Arbeiten von Schiess bieten (trotz Leerstellen) einen guten Überblick über sein Schaffen. So nutzen denn Matthias Haldemann und Marco Obrist als Kuratoren die erste Präsentation der Schenkung im Kunsthaus Zug als Basis für eine schlüssige Ausstellung: Zu sehen sind miteinander verschränkte Retrospektiven Schiess, Schobinger und Štrba.
Adrian Schiess (*1959) ist in der Sammlung Graber mit frühen Arbeiten vertreten - mit in lustvollem Gestus der Freiheit über ganze Wände verteilten bemalten Stoff- und Kartonfragmenten. Im Obergeschoss gruppiert der Künstler überdies drei seiner ‹Flachen Arbeiten› so vor dem Fenster, dass ihre glänzende Oberfläche das Licht in ständigem Wechsel von Tageszeit und Witterung reflektiert, was dem Raum ein ganz eigenes Gepräge gibt. Annelies Štrbas (*1947) frühe gelblich eingetönten Fotos gelten dem Lebenskreis der Familie der jungen Künstlerin und Mutter, die ihre Umgebung aber nicht nur in vielleicht nostalgisch anmutenden Erinnerungsbildern festhält, sondern die Fotos durch bewusste Gestaltung auch zu konzisen Protokollen des heranwachsenden Lebens werden lässt. Die neueren Arbeiten zeichnen sich durch optimistisch-frohe Farbigkeit aus, die sich aber durchaus mit leisen Wehmuts­gefühlen paaren kann. Der gelernte Goldschmied Bernhard Schobinger (*1946) verlässt um 1980 den traditionellen Bereich des schön gestalteten Objekts und nähert sich - auch im Sinne eines Protests - im Verwenden «armer» und oft auch aggressiv wirkender Materialien der Punk-Ästhetik. Die Grenzen zwischen Alltäglichem und Kostbarem überspielt der Künstler, indem er scheinbar Wertloses mit Preziosen wie Gold und Diamanten kombiniert - und damit, was als Protest empfunden werden kann, in die Wohlstandsgesellschaft zurückführt. Museumsdirektor Haldemann versteht die Schau auch als Plädoyer für eine Gesamtsicht der Dinge und gegen ein Denken in Schubladen. Die nach wie vor gängigen Unterteilungen in angewandte Kunst (hier Fotografie, Schmuck) und freies Schaffen werden in der qualitativ kohärenten Sammlung Graber, aber auch in den Werkgruppen von Schobinger und Štrba selbst unterlaufen. Mit Schiess ist einem Vertreter reiner und autonomer Malerei zu begegnen, während die Werke von Schobinger und Štrba zwischen den Polen pendeln.

Bis: 15.11.2015



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Ausgabe 11  2015
Ausstellungen Adrian Schiess, Bernhard Schobinger, Richard Tuttle, Annelies Štrba [19.09.15-15.11.15]
Institutionen Kunsthaus Zug [Zug/Schweiz]
Autor/in Niklaus Oberholzer
Künstler/in Adrian Schiess
Künstler/in Bernhard Schobinger
Künstler/in Annelies Štrba
Künstler/in Richard Tuttle
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