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11.2015




Zürich : Varlin


von: Dominique von Burg

  
Varlin · Leni als Serviertochter, um 1974, Öl, Kohle, Pigment auf Leinwand, 223x84 cm ©ProLitteris


Der unter dem Pseudonym Varlin berühmt gewordene Schweizer Maler Willy Guggenheim (1900-1977) gilt als eigenwilliger Vertreter einer realistisch-expressiven Tradition. Varlin fand grosse Anerkennung als Porträtist und interessierte sich nebst seinen Verwandten, Freunden und Prominenten immer auch für Randexistenzen. Mit einer reichen Farbpalette, dynamischen Linien und typischen, an Bacon mahnende Verzerrungen hielt er Alltagsgegenstände fest und fing innere Zustände sowie die Brüchigkeit der menschlichen Existenz ein. Mit knapp zwanzig Jahren zog er nach Berlin und Paris, um Maler zu werden. Nach seiner Rückkehr nach Zürich, 1932, stand Varlin den avantgardistischen Tendenzen und der abstrakten Kunst völlig fremd gegenüber. Viel näher stand ihm die nordische Welt mit ihrem expressiven Charakter und dem Universum von Antihelden. Diese Bildwelt inspirierte Varlin, und er fand sie zum Teil bei den Künstlern der Ecole de Paris wieder. Um dem absurden Drama des Daseins Ausdruck zu verleihen, deformierte er seine oft skizzenhaft erfassten Motive, die von einer inneren Dynamik und Bewegtheit erfasst scheinen und so in die Nähe von Chaim Soutine geraten. Seine letzte Lebensphase verbrachte Varlin vornehmlich in Bondo im bündnerischen Bergell, der Heimat seiner Frau Franca Giovanoli. Hier schuf er 1963-1977 sein qualitativ und quantitativ herausragendes Spätwerk, das vielfach von einem empathischen Humor getragen ist.
Anlässlich seiner vierzigjährigen Galerietätigkeit hat Werner Bommer nun Werke aus allen Schaffensphasen von Varlin versammelt. Das Galerieprogramm von Werner Bommer reflektiert seine Leidenschaft für die Malerei und weist ein breites Spektrum von zeitgenössischer und arrivierter Schweizer Kunst und internationaler Druckgrafik mit Arp, Bill, Chillida, Lohse, Poliakoff, Le Corbusier usw. auf. Bommer hat sich nie nach dem Markt ausgerichtet, sondern trifft seine Entscheidungen für die Aufnahme von Künstlern in sein Programm stets emotional. Dies vielleicht, weil er neben dem Studium der Kunstgeschichte ursprünglich zum Zeichnungslehrer ausgebildet und nach dem Besuch der Hochschule für Gestaltung Basel 1970-74 seit den frühen Achtzigerjahren selbst malt. Leiten liess er sich dabei stets von einem hohen Anspruch an sich selbst und einem durch die Betrachtung von Kunst immer wieder frisch geschulten Sehen.

Bis: 05.12.2015



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Ausgabe 11  2015
Ausstellungen Varlin [07.11.15-15.12.15]
Institutionen Werner Bommer Zürich [Zürich/Schweiz]
Autor/in Dominique von Burg
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