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Editorial
12.2015




Editorial

Bilder, die ich gerne sehen möchte

  
TITELBILD · Xerxes Ach · Transformed, 1998, Polyurethan, Pigment auf Aluminium, 47x38,5 cm


Eine zerknautschte Fläche, bläulich-grün lasiert, mit gleissend hellen Lachen und zitronengelben Kämmen. Das dramatische Geschehen auf den Gemälden von Xerxes Ach ist schwierig in Worte zu fassen. Wir hadern mit Begriffen und kommen dabei unweigerlich zu Grundfragen nach der Materialität und Wirkung von Farbe.
Und wie so oft hält ein zufällig herumliegendes Buch Erhellendes zum Thema bereit: So erläutert Victoria Finlay in ‹Das Geheimnis der Farben›: «Wenn man über Farben schreibt, wird man als Erstes mit dem Problem konfrontiert, dass sie eigentlich gar nicht existieren. Das heisst, sie existieren schon, aber nur, weil unsere Wahrnehmung sie als Interpretation von Schwingungen kreiert, die uns umgeben. Alles im Universum - egal, ob es als fest, flüssig, gasförmig oder gar als Vakuum klassifiziert wird - schimmert und vibriert und verändert sich unaufhörlich. Aber unser Verstand hält diese Beschreibung nicht für besonders nützlich, um die Welt zu verstehen. Deshalb ordnen wir das, was wir wahrnehmen, in Kategorien wie Objekte, Gerüche, Töne und natürlich Farben ein, ­Kategorien, die wesentlich leichter zu begreifen sind.»
Auch das Gespräch zwischen Xerxes Ach und Kathleen Bühler im Katalog zur Schau im Kunstmuseum Bern kreist zunächst um Technisches und Formales: das lasierende Malen in bis zu fünfzehn Schichten, die Wahl des Untergrunds, das Bestimmen des Formats, den allmählichen Wechsel von Industriefarbe zu selbst gemischter Eitempera, vom plastischen zum glatten Malgrund. Doch irgendwann fällt das Wort «Sehnsuchtsbilder»: Er male Teile seiner Seele, «die Bilder, die ich selber gerne sehen möchte».
Die Gemälde von Xerxes Ach lassen uns die Realität in komprimierter Form erleben - nicht als Fenster zur Welt, sondern als exemplarische Versuchsanordnung. Sie animieren uns zum Nachdenken über Lichtwellen, Energie und Rhythmus sowie die Frage, wie wir diese Impulse sinnlich wahrnehmen.



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Ausgabe 12  2015
Autor/in Claudia Jolles
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