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Besprechung
12.2015


Kristin Schmidt :  El Frauenfelder malt nicht einfach Häuser, sondern gibt mit Spachtel und Farbe dem Bauen selbst eine bildnerische Form, eine sehr offene und kraftvolle. Die diesjährige Trägerin des ­Manor Kunstpreises des Kantons Zürich ist mit ihren Gemälden zurzeit im Kunstmuseum Winterthur zu Gast.


Winterthur : El Frauenfelder - usser mir


  


Malen als Bauen. El Frauenfelder (*1979) konstruiert ihre Bilder nicht, sie baut sie. Mit grossem physischen Impetus setzt sie breite Spachtelhiebe nebeneinander, trägt Farbe auf, streicht sie ab und fügt neue hinzu. Aus den spachtelbreiten Flächen entwickelt die Malerin ihre Bildmotive: archetypische Bauten, Häuser mit Spitzdach und klassischen Proportionen, seltener Innenräume oder gestaltete Gegenstände.
Das Gegenständliche ist Motiv, aber nicht Motivation der Künstlerin. Sie ist interessiert am Verhältnis von Objekt und dessen Umgebung: das Haus als ein definierter Körper innerhalb eines mehr oder weniger gestalteten Raums. So ist eine Hecke vor einem Haus eine klare Zäsur und zugleich eine eigenständige Form. Doch meist ist es komplizierter: Wo hört etwas auf? Wo fängt etwas anderes an? Wo endet der ­Fokus? Gebautes trifft auf Zonen des Übergangs, dort sind Kompartimente schwer zu fassen. Dies gilt nicht nur für die Motive Frauenfelders, sondern auch für die Malerei selbst und für die Leinwand als Malgrund. Die Farbflächen fransen aus, Farbe und Weiss treffen aufeinander und durchdringen sich, Töne lösen sich auf in Helligkeit. Die Malerei öffnet sich auf den unregelmässig beschnittenen Leinwänden, ohne Keil- und Bilderrahmen zur Wandfläche hin.
Die Ausstellung im Kunstmuseum Winterthur umfasst Werke aus fünf Jahren. Auf zwei Geschossen zeichnet sie nach, wie die Künstlerin mehr und mehr zur grossen Form gelangt. Details wie Hausnummern oder Spielplatzgeräte gibt es in den jüngeren Werken nicht mehr. Die rostigen, verblassten Farben dominieren noch immer, weichen aber mitunter einem leuchtenden Gelb oder Blau. Wichtig ist die strahlende Helligkeit: Schon 2012 löst sich im Bild ‹Haus mit Leiter und Gartenhäuschen› eine Hauswand im Sonnenlicht auf, dieses Thema verfolgt Frauenfelder jetzt intensiv weiter. Zugleich versucht sie sich im Atmosphärischen. Der Einsatz von Sprühfarbe bei manchen Arbeiten führt allerdings dazu, dass der Farbauftrag, statt wie beim Spachteln kraftvoll gestaltet, wolkig im Ungefähren verschwimmt. Neu sind auch die Collage­elemente: Frauenfelder klebt Fragmente älterer bemalter Leinwände ins Bild oder heftet Letzteres mit braunem Paketklebeband auf die Wand. Mit dem Zerschneiden und Überkleben dekonstruiert sie ihre Gemälde und baut sie mit anderen Mitteln und in schlüssiger Entsprechung zu ihrer Malerei weiter.

Bis: 13.12.2015



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Ausgabe 12  2015
Ausstellungen El Frauenfelder [11.09.15-13.12.15]
Institutionen Kunstmuseum Winterthur [Winterthur/Schweiz]
Autor/in Kristin Schmidt
Künstler/in El Frauenfelder
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