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Besprechung
12.2015


Dominique von Burg :  Ben Vautiers Arbeiten sind stark, direkt und beflügelnd. ­«Alles ist Kunst» ist Bens Message, die Kunst, Nicht-Kunst und ­Philosophie in Einklang zu bringen sucht. Die umfassende ­Retrospektive zeigt das einzigartige Universum des für seine Schriftbilder bekannten Künstlers.


Basel : Ben Vautier - Ist alles Kunst?


  
links: Ben Vautier · Magasin, 1958-1973, Assemblage, diverse Materialien, 402x446x596 cm. Centre Georges Pompidou, Mnam/Cci Paris, Installationsansicht Museum Tinguely ©ProLitteris. Foto: Daniel Spehr
rechts: Ben Vautier · Portraits (Raum), 1980-2015, und Bienvenue à la société de consommation (Skulptur), 1989, Installationsansicht Museum Tinguely, Basel ©ProLitteris. Foto: Daniel Spehr


Ben Vautier (*1935, Neapel) ist Autodidakt. Nach anfänglich abstrakten Experimenten wandte er sich der Schrift als Zeichen und Bild zu. Es entstanden Text­arbeiten im Geiste von Duchamps Ready-Mades, die mit dem Pinsel gemalt oder auf meist schwarze Träger gedruckt und vielfältig variiert sind. Diese bilden den eigentlichen Ausgangspunkt seiner künstlerischen Sprache. Mit prägnanten Sätzen reflektiert der französisch-schweizerische Künstler existenzielle Themen, fragt nach der Beziehung von Kunst und Leben, der Rolle des Künstlers in der Gesellschaft, seinen eigenen künstlerischen Grenzen sowie den Gesetzen des Kunstbetriebs. Durch George Maciunas lernte Vautier die Fluxus-Bewegung kennen, und führte seine ersten Happenings und alltäglichen und theatralischen «Gesten» im Geiste von Fluxus auf.
Von diesem nimmermüden, erfinderischen Aktionismus zeugt Vautiers ‹Magasin›, ein Laden für gebrauchte Schallplatten in Nizza, den er ab 1958 betrieb. In den Sechzigerjahren wurde dieser Ort zu einem wichtigen Treffpunkt der Kunst- und Literaturszene. Zugleich nutzte ihn Vautier als Plattform für Ausstellungen und sogenannte ‹Actions de rue›, die ihn zu einem Pionier der Fluxus-Bewegung machten. Das Gesamtkunstwerk war ein «Work in progress» und stellt den Nukleus für Vautiers künstlerisches Selbstverständnis dar. 1973 wurde er integral vom Centre Georges Pompidou angekauft, nun thront er im Zentrum der Ausstellung.
In der repräsentativen Schau sind Schlüsselwerke von 1958 bis 1978 versammelt. Vautier, der laut eigener Aussage zehn Künstler in einer Person verkörpert, hat selbst über dreissig Räume gestaltet, die kaleidoskopartig den geistreichen Umgang mit seinem künstlerischen Universum präsentieren. Er beschreibt seine Kunst als «un art d'appropriation» und definiert seine Kollegen als «annexionnistes», die bestimmte Elemente vereinnahmen oder methodisch ausschlachen: «Jean Tinguely la machine, Christo l'emballage, Arman l'accumulation et Ben la vie.» Die Schau zeigt Vautier als lebendes Gesamtkunstwerk sowie als überaus humorvollen, liebenswerten und anarchischen Menschen, der sich in Paradoxen gefällt, so, wenn er seine Signierprojekte mit ‹Je signe rien› selbst unterwandert. Als Statement gegen eine Kunst, die nur aus Namen besteht und vom Ego der Künstler angetrieben wird.

Bis: 22.01.2016



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Ausgabe 12  2015
Ausstellungen Ben Vautier [21.10.15-22.01.16]
Institutionen Museum Tinguely [Basel/Schweiz]
Autor/in Dominique von Burg
Künstler/in Ben Vautier
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