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12.2015




Digitale Kunst - Projekt des Monats/Joseph DeLappe - Killbox


von: Raffael Dörig

  
links: Joseph DeLappe · Killbox, 2015
rechts: Joseph DeLappe · Cowardly Drones (Serie), 2013


Drohnen seien für Krieg, was Facebook für Freunde sei, sagt Joseph DeLappe. Die Entkoppelung, das Handeln vom Schreibtisch aus, führe dazu, den Akt, jemanden am anderen Ende der Erde zu töten, als losgelöst von einem selbst zu sehen. Oft wird das Steuern der Drohnen mit Videogames verglichen. DeLappe setzt sich als Künstler und besorgter Bürger in einer ganzen Reihe von Arbeiten mit dem Drohnenkrieg auseinander. Er führt damit eine lange Beschäftigung mit Krieg, Technologie und der Unterhaltungs­industrie fort, die er u.a. mit einer Performance im staatlichen Rekrutierungs-Game ‹America's Army› begonnen hat. Als Mitspieler des Online-Games schrieb er in ‹dead-in-iraq›, 2006-2011, die Namen im Irak gefallener US-Soldaten in die Chat-Felder und erntete dafür harsche Reaktionen.
Bei seinen Drohnen-Projekten stellt er die vielen zivilen Opfer ins Zentrum. Eine ganze Generation Afghanen wachse beispielsweise mit der Vorstellung auf, dass der blaue Himmel etwas Bedrohliches sei. Um diese Bedrohung symbolisch erfahrbar zu machen, schlägt er vor, das Drohnenmodell ‹Me and my Predator - Personal Drone System›, 2014, über dem eigenen Kopf zu tragen und liefert die Anleitung zum Eigenbau. Mit Freiwilligen hat er auch eine Drohne im Masstab 1:1 nachgebaut und mit den Namen getöteter Zivilisten versehen: ‹The Drone Project›, 2014. Auf Bildern verschiedener Drohnenmodelle, die bei einer Google-Suche zuoberst auftauchten, beschriftete er die Fluggeräte mit dem Wort «cowardly», feige. Die Bilder wurden ins Netz eingespeist und so beschriftet, dass sie wiederum bei Google-Abfragen nach Drohnen auftauchen sollen: ‹Cowardly Drones›, 2013. Sein neustes Projekt nimmt die Computerspiel-Analogie auf. Sein Game ‹Killbox› lässt die Spieler Drohnenattacken wahlweise aus der Sicht des Operator-Soldaten oder eines angegriffenen Dorfbewohners nachspielen. Anders als bei Kriegsgames üblich, sind die beiden Gegner völlig unterschiedlich. Ein Zivilist auf dem Boden hat keinerlei Handlungsmöglichkeit, während der Drohnenpilot ohne Gefahr für seinen Körper handelt. Seine Psyche allerdings bleibt zweifellos nicht unbehelligt. Ein sauberer, ferngesteuerter, technologischer Krieg ist nicht möglich, für keinen der Beteiligten.



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Ausgabe 12  2015
Autor/in Raffael Dörig
Künstler/in Joseph deLappe
Link http://www.killbox.info
Link http://www.delappe.net
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