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12.2015




Basel : Florine Leoni


von: Gabriel Flückiger

  
Filmbau: Schweizer Architektur im beweg­ten Bild, 2015, Ausstellungsansicht, SAM. Foto: Tom Bisig


Aktuell führt das schweizerische Architekturmuseum in Basel (SAM) eine Trilogie zur medialen Vermittlung von Architektur fort, die es 2012 begonnen und bisher auf Fotografie und Text ausgerichtet hatte. Mit ‹Filmbau. Schweizer Architektur im bewegten Bild›, einem im Auftrag des SAM produzierten Werk der Basler Künstlerin Florine Leoni (*1980), werden nun Aspekte der filmischen Wiedergabe von Architektur beleuchtet. ‹Filmbau› basiert auf einem reichhaltigen Fundus unterschiedlichster Filmerzeugnisse zur Schweizer Architektur: Ausschnitte aus Dokumentar-, Reportage-, aber auch Animations-, Visualisierungs- oder Werbe- und Skateboardfilmen verwob Leoni zusammen mit der für Konzept und Texte zuständigen Kuratorin Evelyn Steiner zu einem dichten Kompilationsfilm. Im Werk drängt sich vor allem der kontrastreiche Eindruck zwischen dem analytisch-erhellenden Charakter der narrativen Struktur und dem essayistisch-offenen Duktus der Montage auf. So führt uns eine weibliche, weiche Stimme aus dem Off kenntnisreich durch einzelne Themenstränge und erläutert bspw., wie Blickregime durch Kamerafahrten, Bedeutungen durch Begleitkommentare oder Stimmungen durch Klänge und Licht filmisch konstruiert werden. Doch das Werk bricht mit der linearen Form der Dar- und Offenlegung von filmischen Gestaltungstechniken. Einerseits lässt sich die Abfolge der einzelnen Ausschnitte von einer sinnlichen Empfindsamkeit leiten: So folgen auf Aufnahmen der bunt-vielgestaltigen, historistischen Decke der Zürcher Villa Patumbah - Renata Münzel, 2014 - das distanzierte Abschreiten eines kalten, elementaren Betonpavillons - Wolf Schmelter, 2004 - und die körnigen, leicht zittrig suchenden Bilder in der leeren Kunsthalle Basel - Werner von Mutzenbecher, 1969. Andererseits lässt das Projekt assoziative Ordnungen zu, wenn die computergestützte ETH-Visualisierung des Gotthardmassivs mit dem Lucendro-Stausee von 2014 zwischen der verspielten Animation erscheint, die eine Staumauer fürs überdimensionierte Tennis nutzt und das Staubecken als Walrefugium imaginiert - 1997, Regie: Christoph Schaub und Matthias Kälin. Die Vielschichtigkeit von ‹Filmbau› wird auch in der räumlichen Inszenierung deutlich. Hinter der Zuschauertribüne erstellte das Museum einen Bereich, in dem ­alle 101 Filme in voller Länge einsehbar sind und zur offenkundigen Matrix des künstlerischen Auswahl- und Remixdenkens werden.

Bis: 28.02.2016



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Ausgabe 12  2015
Ausstellungen Filmbau [31.10.15-28.02.16]
Institutionen Schweizerisches Architekturmuseum [Basel/Schweiz]
Autor/in Gabriel Flückiger
Künstler/in Florine Leoni
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