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12.2015




Berlin : Gustav Metzger


von: Miriam Wiesel

  
links: Gustav Metzger · Mass Media - Today and Yesterday, 1972/2015, Ausstellungsansicht Neuer Berliner Kunstverein. Foto: Jens Ziehe
rechts: Gustav Metzger · Mass Media - Today and Yesterday, 1972/2015. Foto: Jens Ziehe


Zum ersten Mal stellt Gustav Metzger (*1926, Nürnberg), der 1939 als 13-Jähriger mit dem sog. Kindertransport vor den Nazis nach England gerettet wurde, in Berlin aus. Späte Anerkennung für einen Künstler, der zeit seines Lebens die Kunst als Mittel zu gesellschaftlicher Veränderung betrachtet hat und sich in und mit seiner Kunst einer Vereinnahmung radikal widersetzte.
Sein erstes Manifest schrieb er 1959 in London: Auto-Destructive Art. Geprägt von der Gewalt Nazi-Deutschlands - seine Familie kam in den KZ zu Tode - und der Angst vor einem weiteren Krieg, definiert er «eine Form der Kunst im öffentlichen Raum für Industriegesellschaften» mit einer «Lebensdauer, die zwischen ein paar Augenblicken und zwanzig Jahren schwankt. Wenn sich der Zerfallsprozess vollendet hat, wird das Werk entfernt oder vernichtet.» Dieser Einstellung ist es zu verdanken, dass sich wenig erhalten hat: kaum mehr als nachgelassene ‹Manifeste, Schriften und Konzepte›, wie das gleichnamige Buch von Justin Hoffmann über Metzger aus dem Jahr 1997 heisst.
Das steht auch am Anfang seiner späten (Wieder-)Entdeckung. Denn in den Neunzigerjahren erlangt der Künstler, der eher als sperrige Figur in Erscheinung trat - bspw. mit seinem Aufruf für einen Kunststreik, 1974, oder als Organisator einer Gegenausstellung zur ‹Westkunst›, 1981 -, kraft seines über die Jahre hinweg konsequent kritischen Wirkens Aufmerksamkeit. 1996 wird er im Pariser Museé d'Art Moderne gezeigt, danach folgen Ausstellungen weltweit, darunter die dOCUMENTA (13), wo, verdeckt unter einem Tuch, frühe Zeichnungen von ihm zu sehen sind. Eindrucksvoll das Foto einer Aktion an der South Bank in London: Metzger, durch eine Maske geschützt, bemalt eine Leinwand mit Säure. Bei der Wiederholung der Performance 2004 ist der Blick auf St. Paul's von Fetzen gerahmt.
In der n.b.k. zeigt er die Neuauflage einer Arbeit aus den Siebzigerjahren: ‹Mass Media - ­Today and Yesterday›, 1972/2015. Zeitungen, zu einem monumentalen Block gestapelt, die das Publikum für eine partizipatorische Collage zu den Stichworten Auslöschung, Umweltverschmutzung, Bedrohtes Leben und Biologische Lebensmittel zerschneiden kann. Ist diese über die Monate anwachsende Sammlung, aktuell versetzt mit Stimmen zur Flüchtlingskrise, Ausdruck einer medial gespiegelten Bedrohungslage, demonstriert sie gleichzeitig den Wunsch des passionierten Zeitungslesers Metzger, die Welt und die Nachrichten kritisch zu betrachten. Zeitungen sind sowohl tagesaktuell als auch ein Medium der Vergangenheit, das durch den Gebrauch zerstört wird oder zerfällt.

Bis: 22.01.2016



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Ausgabe 12  2015
Ausstellungen Gustav Metzger [16.09.15-22.01.16]
Institutionen Neuer Berliner Kunstverein [Berlin/Deutschland]
Autor/in Miriam Wiesel
Künstler/in Gustav Metzger
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