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12.2015




Lausanne : Kazuko Miyamoto


von: Katharina Holderegger Rossier

  
links: Kazuko Miyamoto · Stunt, 1982, Fotokopien, Collagen, 150x97 cm
rechts: Kazuko Miyamoto · Ohne Titel (String Construction),1977, Nägel, Baumwollgarn, Dimension variabel (Ansicht im Atelier der Künstlerin in der Chrystie Street, New York, 1977). Foto: Die Künstlerin


Der Kunsthistoriker, Kurator und Kritiker Matthieu Poirier ist eine wichtige Figur in der zurzeit intensiven Neubeurteilung der zeitgenössischen Kunst der Sechziger- und Siebzigerjahre. Nun hat ihm das Lausanner Kolletiv Circuit die letzte diesjährige Schau in ihrer Kunsthalle überantwortet. Er spielte den Ball an die ausserhalb des East Village noch kaum bekannte Kazuko Miyamoto (*1942, Tokyo) weiter. Die ausgebildete Malerin und Zeichnerin stand offenbar ab 1968 jahrelang Sol LeWitt als Assistentin zur Seite, wurde 1972 Mitglied des ersten von Nancy Spero mitbegründeten Frauenkollektivs (Artists in Residence Gallery) und eröffnete 1982 die Onetwentyeight Gallery, die bisher langlebigste Non-Profit-Nachwuchsorganisation, die nicht zuletzt Outsidern wie Jean-Michel Basquiat und David Hammons die erste Ausstellungsmöglichkeit gab. Dies ist aber nicht alles: Zwischen dieser Miyamoto auszeichnenden Hingabe für andere Kunstschaffende erzeugte sie auch ein berückendes eigenes Werk, das jedoch, ab den siebziger Jahren zunehmend ephemer, trotz des Engagements wichtiger Kuratoren und Kritiker bis heute noch kaum in Sammlungen oder Publikationen eingegangen ist.
Im Circuit sind nun nicht nur einige ihrer Performances und Happenings in Form späterer Collagen dokumentiert - darunter besonders bewegend und sprechend die bis auf eine Maske nackten ‹Stunt› um eine der vielen von ihr für Sol LeWitts gebauten ‹Open Cube Sculptures›. Vor allem aber hat Poirier ­Miyamoto dazu bewegen können, eine Auswahl ihrer prophetischen, ebenso von moderner Quantenphysik wie japanischer Batiktechnik angeregten ‹String Constructions› ab 1972 neu aufzuschlagen. Post-minimalistisch, ohne gleich in Anti-Form zu kippen, erzeugen die zwischen Nagelmustern auf Boden und Wand gespannten Baumwollgarne höchst komplexe Wölbungen in Raum und Zeit. Gleichzeitig weisen diese weichen, sanften und um die Nagelköpfe ausfransenden Nester oder Fallen auf den geschlechtlich und ethnisch besetzten Körper sowie die stets nur approximative visuelle und manuelle Arbeit der Kunstschaffenden hin, statt sich als rein formale Maschinen für räumliche Erfahrungen des Publikums zu genügen.

Bis: 19.12.2015



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Ausgabe 12  2015
Ausstellungen Kazuko Miyamoto [13.11.15-19.12.15]
Institutionen Circuit [Lausanne/Schweiz]
Autor/in Katharina Holderegger Rossier
Künstler/in Kazuko Miyamoto
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