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12.2015




Weil am Rhein : Bauhaus


von: Hans-Dieter Fronz

  
links: Alma Siedhoff-Buscher · Bauhaus Bauspiel, 1923, 22-teilig, Courtesy Naef. Foto: Heiko Hillig
rechts: Josef Albers · Park, ca. 1923/24, Courtesy The Josef and Anni Albers Foundation ©ProLitteris


Viel wurde über das Bauhaus geredet, geschrieben und gesendet. Wir wissen also bestens Bescheid, schon deshalb, weil wir ihm allenthalben begegnen: Bis heute kann sich kein Designer der Strahlkraft dieser Schmiede modernen Gestaltens entziehen.  Oder meinen wir nur, Bescheid zu wissen? Wäre nicht erst der ganze Schutt medialer Vermittlung beiseite zu räumen, um zum Kern vorzudringen? Fragen dieser Art stellte sich die Kuratorin Jolanthe Kugler. Ihre Antworten kann man nun in der Bauhaus-Schau im Vitra Design Museum besichtigen. Ein Beispiel: Gern stellen wir uns das Bauhaus als strenge, asketische, unsinnliche Veranstaltung vor - historische Aufnahmen erwecken diesen Eindruck. Aber vielleicht nur deshalb, weil es fast ausschliesslich Schwarz-Weiss-Aufnahmen sind? Doch da gibt es dieses bunte Kinderspielzeug. Alma Buschers ‹Bauspiel Schiff› von 1923 ist bei aller formalen Reduktion von wunderbar sinnlicher Eleganz. Farbig sind auch Herbert Bayers Banknoten-Entwürfe aus der Inflationszeit: 50 Mio. in Eidottergelb. Bunt zudem Bauhaus-Tapeten und zahlreiche Objekte. Selbst Marcel Breuer, der Bauhaus-Asket, rang sich für seinen Stahlrohrstuhl B5 zu heiterem Gelb für Sitzfläche und Rückenlehne durch. Ganz zu schweigen von Kunstwerken wie Max Bills poetischem Aquarell ‹Der Eilbote› oder Josef Albers' nahezu abstraktem Glasbild ‹Park›.
Farbig waren auch - wie Pläne beweisen - die Ateliers und Wohnräume der Bauhausmeister. Raumkonzepte sind eines von vier Themenfeldern der Schau, die im Anschluss in die Bundeskunsthalle Bonn tourt. Hier konfrontiert Kugler Bauhaus-Schöpfungen mit Designentwürfen und Statements zeitgenössischer Designer, Künstlerinnen, Architekten. Die Schau beleuchtet zudem den historischen Kontext: Mit Designobjekten sowie Bild- und Textbeispielen wie Manifesten, Programmen, Stundenplänen. Bauhaus-Objekten wiederum sind Entwürfe, Arbeitspläne oder Werbematerial beigegeben. Am Ende wird auch die mediale Selbstdarstellung des Bauhauses zum Thema: in Publika­tionen, Ausstellungen und Fotografien - bis hin zur markanten Bauhaustypografie.
«Labor der Moderne» nannte man das Bauhaus - eine Metapher, welche die Assoziation von Ergebnisoffenheit weckt. In der Tat war das Bauhaus mehr Sammelbecken stark individueller Gestalter/innen denn der monolithische Block, als der es uns heute erscheinen mag. Im Grunde war es auch kein Stil, sondern - so die Kuratorin - eine «Idee und Lebensvorstellung». Nach dieser Schau ist man gar versucht zu sagen: eine Lebenshaltung.

Bis: 28.02.2016



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Ausgabe 12  2015
Ausstellungen Das Bauhaus #allesistdesign [26.09.15-28.02.16]
Institutionen Vitra Design Museum [Weil am Rhein/Deutschland]
Autor/in Hans-Dieter Fronz
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