Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Hinweis
12.2015




Wien : Die Kunstszene der 80er Jahre


von: Patricia Grzonka

  
links: Sol LeWitt · Postkarte mit Ausstellungsskizze, 1986, Wien Museum ©ProLitteris
rechts: Franz West · Bürotisch, 1987. Foto: Didi Sattmann


Das vormalige Historische Museum der Stadt Wien am Karlsplatz, heute Wien Museum, widmet sich in einer thematisch ungewöhnlich geformten Ausstellung der aufblühenden Kunstszene Wiens in den Achtzigerjahren. Was heute selbstverständlich ist - international agierende Galerien begleitet von jetsettenden Künstlerinnen und Künstlern - war noch vor gut dreissig Jahren ein Szenario, das für andere europäische Städte vielleicht schon Gültigkeit besass, für das damalige Wien jedoch noch weit entfernte Traumvorstellung war.
So spricht man in der Ausstellung ‹Ballgasse 6. Galerie Pakesch und die Kunstszene der 80er Jahre› auch stolz vom Aufbruch und von der zunehmenden Internationalisierung der Stadt - vermittelt durch Künstler wie Martin Kippenberger, Mike Kelley oder Albert Oehlen, aber ebenso stolz verweist man auf die deutsche Kunstzeitschrift ‹art›, die damals auf dem Titelblatt das ‹Kunstwunder Wien› pries.
Der österreichische Kurator Peter Pakesch - später Leiter der Kunsthalle Basel und langjähriger Direktor des Museums Joanneum in Graz - hat mit seiner 1981 gegründeten Galerie gut ein Jahrzehnt lang vieles zur Professionalisierung des österreichischen Kunstmarkts beigetragen.
Dass ein solcher Aufbruch allerdings nicht durch eine einzige Galerie realisiert werden konnte, sondern im besten Fall durch eine Konstellation von vernetzten Bemühungen, ist ein Punkt, der durch die gewählte Fokussierung zwangsläufig nicht berücksichtigt werden konnte. Ausgangspunkt für die Schau war es weniger, die spezifische Geschichte der Kunstszene Wiens aus der Distanz aufzuarbeiten und zu porträtieren, als vielmehr die Tatsache, dass Pakesch dem Wien Museum vor einigen Jahren sein Galerien-Archiv in einer Schenkung überlassen hat. Der scheidende Direktor Wolfgang Kos entschied sich zu dieser Präsentation, die auch gleichzeitig seine Abschiedsausstellung im Wien Museum ist.
In dem Versuch, einzelne Ausstellungen der Galerie Pakesch sowie die Biografien ihrer bekanntesten Künstler wie Herbert Brandl, Franz West oder Heimo Zobernig nachzuzeichnen, wird dabei die Galeriengeschichte als fortlaufende (Erfolgs)Erzählung konstruiert. Das präsentierte Dokumentationsmaterial - historische Faxe, Musik- und Tonaufnahmen, Postkarten mit Honorarforderungen von Sol LeWitt beispielsweise -, lässt dabei durchaus auch amüsante Einblicke in einen heute weit entfernt erscheinenden Galerienalltag zu.

Bis: 14.02.2016



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 12  2015
Ausstellungen Ballgasse 6 [24.09.15-14.02.16]
Institutionen Wien Museum [Wien/Österreich]
Autor/in Patricia Grzonka
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=15112723423340Q-41
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.