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12.2015




Zürich : Tomi Ungerer


von: Hans-Dieter Fronz

  
links: Tomi Ungerer · Ohne Titel, für ‹Welt­schmerz›, Ende 1950er Jahre, Tusche, Fotocollage auf Papier, 32,2x22,8 cm
rechts: Tomi Ungerer · Great Expectations, 2009, Colla­ge, 55,5x41 cm, Courtesy Diogenes Verlag AG


«Expect the unexpected!» Der coole Werbespruch für eine amerikanische Wochenzeitung, den Tomi Ungerer Ende der Sechziger­jahre als Werbegrafiker mit verblüffenden Bilderzählungen begleitete, liesse sich auch auf diese Ausstellung anwenden. Erschien uns der Cartoonist und Grafiker, Buchillustrator und Schriftsteller Ungerer je schon bewundernswert vielseitig, so erschliesst die Ausstellung im Kunsthaus Zürich im weiten Kontinent seines nachgerade uferlosen Œuvres zusätzliches Neuland und zeigt bislang wenig oder nicht bekannte Facetten seines Schaffens. Viel Terra incognita in der Ausstellung ‹Tomi Ungerer. Incognito›.
Mehr oder weniger im Verborgenen hat der heute 84-Jährige über die Jahrzehnte eine ansehnliche Zahl von Collagen, Assemblagen und Objekten geschaffen. Rund 160 dieser Arbeiten aus den Städtischen Sammlungen Strassburg, der Sammlung Würth sowie aus Ungerers Privatbesitz montiert die Schau zu einem Universum des Phantastischen, bei dem wahrhaftig an jeder Ecke Unerwartetes, nie Gesehenes wartet; etwa wenn in einer Collage ein kühner Kletterer seine Künste am Fels eines gigantischen Mopskopfs erprobt. Die Techniken der Collage und Bildmontage hatte sich Ungerer bereits in den Fünfzigerjahren angeeignet.
Die Umkehrung der Grössenverhältnisse ist nur ein strategisches Mittel seiner blühenden Bildphantasie; andere sind Mutation und Metamorphose. Frappierend das menschengestaltige Wesen in Elefantenhaut - oder das bis zur Unkenntlichkeit zerknautschte, ins Dingliche spielende Gesicht des Mannes mit Texashut in ‹Law and Order›, 2004. Die Grenzen zwischen Mensch, Tier und Dingwelt sind durchlässig; eines kann ins andere hinüberwechseln. So wirft sich die Tierwelt in Schale: Eine Häsin trägt Pelz, die Schimpansen-Dame imponiert mit chicer Frisur. In ‹Great Expectations› wachsen einem Kinderwagen Raubtierzähne. Auf dem Grund der Realität lauert bei Ungerer das Surreale.
Skulpturen und Objekte wie der Schuh mit Zigarre, ‹First Smoke›, 2013, und das Schosshündchen mit Puppenarmen sind ins Drei­dimensionale erweiterte Collagen. Wie in diesen umkreist Ungerer darin mannigfach nicht zuletzt sein unendliches Thema: der menschliche, insbesondere natürlich weibliche Körper. Politische Bildfindungen wie Erdmännchen in Reih und Glied vor einem Hakenkreuz, ‹Untitled›, 2007, fehlen nicht.

Bis: 07.02.2016



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Ausgabe 12  2015
Ausstellungen Tomi Ungerer [30.10.15-07.02.16]
Institutionen Kunsthaus Zürich [Zürich/Schweiz]
Autor/in Hans-Dieter Fronz
Künstler/in Tomi Ungerer
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