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Fokus
1/2.2016


 Im Oktober kamen auf Einladung von Gisela Hochuli, Dominik Lipp und dem Kollabor-Team 14 motivierte Performer/innen in Basel zusammen. Es ist das zweite Treffen einer neuen Performance-Bewegung: Performance kollektiv, im öffentlichen Raum, mit dem Ziel, bald alle Performer/innen der Schweiz ­zusammenzubringen. To gather.


Performance im Blickfeld - The Gathering


von: Heike Fiedler

  
links: Chris Regn, Irina Kulka. Foto: Leo Bachmann
rechts: Dominik Lipp. Foto: Heike Fiedler


Der grüne Platz liegt fernab vom Zentrum, umgeben von Siedlungsbauten, dort ein Kiosk, eine Tramhaltestelle. Es ist kühl, die Sonne scheint. Die Performer/innen tasten sich langsam in die scheinbare Stille des Ortes hinein. Manche haben Material mitgebracht. Du schreibst über die Performance schreibt sich selbst, während du in ihr schreibst, aus ihr heraus. Weiter hinten auf der Wiese bewegen sich grosse Buchstaben aus Pappkarton durch die Luft. Joëlle Valterio rollt ihre Packpapierkugel an den Altpapierstapeln vorbei, davor ein Karren, darin Dominik, weiter ab zwei L als Flügel verwendet. Ein Kopf steckt im O. Papier wird über das Grün ausgerollt, ein Körper darin eingewickelt, Chris hält ihre Kamera heraus. Gisela liest laut die Worte in meinem Notizbuch, jetzt «i love you», Notizen zur Performance von Manmeet Devgun im Sommer im Rahmen von ‹The longest day› in Zürich, hier aktualisiert.
Kollektiv über Grenzen hinweg, die Teller tanzen an Fäden, klirren, Kinder ­schreiben auf das Riesenblatt, ein rosa Gummiball, aufgeblasen von Rolf, zwei Körper, Kontakttanz, vier Arme in die Luft gestreckt, die Sonne, der Brunnen, blaues Bassin, weiter hinten Hände und Füsse, Marionetten aus Holz, das Tram, die Leute, die alte Frau. Sie kommt vom fünften Stockwerk herunter und stellt verwundert Fragen, währenddessen die sich bewegenden Bilder, Transformationen, ineinander verwoben die Schnur um den Kopf gebunden, der weisse Stoff wie lange Nase über den Rasen, Passanten, die Bewegungen, die kleinen Details, die fast dem Blick entgehen, wie Werner in der Telefonzelle, das Wort k.o davor das Un er wartete im Miteinander von Zufall und Plan, die kollaborative Praxis von un- und vorbereiten Aktionen. Die kleine Papierkugel von Gisela hat die vier Stunden überstanden, die Wiese, all die Objekte geschoben, getragen, die herumliegenden Spuren aufgehoben.
Wir  - giselairenerolfjoëlleadrienheikemirzlekid karineisabelirenaangeladominikwernerchris  - verlassen den Platz, als wäre da nie etwas gewesen, doch «Peformance verändert die Atmosphäre», sagte eine Frau, blieb stehen. Irgendwo in der Welt, dem Strom entgegen, unall tägliche Momente. Die zwei Jungen sehen die Schilder, wie an einer Demo getragen: «Da steht doch gar nichts.» Sie hätten geschrieben: «Freiheit für Kinder», spontan. Später werden die Erfahrungen ausgewertet: individuell versus gemeinsam, öffentlicher Raum versus Kunstbetrieb. Permeabilität, Spannung, Osmose. Den Blick auf das nächste Treffen gerichtet.


Andrea Saemann empfiehlt: Performances, Museumsnacht Basel, 22.1.



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Ausgabe 1/2  2016
Autor/in Heike Fiedler
Link http://www.museumsnacht.ch
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