Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Fokus
1/2.2016


 Im Spätsommer 2015 macht sich Pascal Danz auf nach Island, um dort vier Monate in der Einsamkeit des Hafenstädtchens Seyđisfjörđur zu arbeiten. Kaum angekommen, beginnt er die erhabene landschaftliche Umgebung zu erwandern und ein Notizheft mit Aufzeichnungen und Skizzen zu füllen.


Ansichten — Seyđisfjörđur von Pascal Danz


von: Sandi Paucic

  
Pascal Danz · Seyđisfjörđur, 2015, Öl auf Leinwand 40x30 cm ©ProLitteris


Auch wenn Pascal Danz als Künstler nicht in erster Linie als Landschaftsmaler bekannt geworden ist, reiste er nach Island, um sich gezielt mit der nordischen Natur auseinanderzusetzen. Die bildhaft beschreibende Sprache seiner tagebuchartigen Notizen zeugt von der differenzierten Beobachtungsfähigkeit des erfahrenen Malers.
«Jetzt ist Wetter. In unglaublicher Geschwindigkeit säumen weisse Bänder von Wolkenschwaden in mehreren Etagen die Landschaft. In Schichten wie eine Sahnetorte lösen die Schwaden die massiven Fjordberge in unabhängige Bänder auf. Fragmentierung und Reduktion auf ein Minimum - der Berg als Ganzes lässt sich eigentlich nur noch denken.»
Diese Aufzeichnung wird begleitet von einer Tuscheskizze im Notizheft, die das Beschriebene in lavierten Pinselstrichen im Bild festhält. In verschiedenen Bild-Text-Notaten und Schemata analysiert Danz Natur, Licht und Atmosphäre und hält deren Farbigkeit fest: «Anthrazit mit weissen Flecken, Saftgrün mit violetten (violett-braun) Schlieren, grasgrün mit Saftgrün + Violett - Spiegelung.»
Es sind aber nicht ausschliesslich die genauen Landschaftsbeobachtungen, die ihn interessieren: Die Natur birgt in der Gattung der Landschaftsmalerei stets auch das Potenzial zur Metapher und zum Sinnbild. «Allein Hiken hat etwas Existenzielles (...). War gestern auf dem Hausberg, dem Bjölfur. Der Aufstieg in die Höhe war im Nebel. Hab mich fortlaufend entscheiden müssen, ob ich jetzt weitergehe oder nicht - die Wanderung war ja nicht markiert und ich kenne die Gegend nicht. Doch ich hab mich mit Kompass abgesichert und bin schliesslich auch mit einigen Höhenmetern mehr auf dem Buckel am Gipfel angekommen.»
In dem darauffolgenden metaphorischen Gedankenspiel setzt Danz den Kompass einem künstlerischen Konzept gleich, das ihn durch den Nebel zum Ziel führen könne, ohne dass er von Anfang an die fertige Form des Werks schon kennen müsse. Danz ging nach Island, weil er für seine Kunst einen neuen Impuls suchte. Malerei im Nebel nach Kompass gleichsam, das schien ihn als Methode zu reizen, um nicht dem abgesicherten Malen mit klarer Sicht auf das Ziel zu verfallen. In den wenigen Tagen seines Islandaufenthalts hat Pascal Danz grosse Strecken zurückgelegt - als Wanderer, vor allem aber - wie sein Skizzenbuch bezeugt - in der Arbeit an seinem Werk.
Pascal Danz (1961-2015) ist im September in Island tödlich verunglückt. ‹Seyđisfjörđur› ist eines seiner letzten Gemälde.
Sandi Paucic, Projektleiter Biennalen Pro Helvetia und stv. Rektor F+F Schule Zürich. sandi.paucic@ffzh.ch



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 1/2  2016
Autor/in Sandi Paucic
Künstler/in Pascal Danz
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=151228110242DY5-6
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.