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Besprechung
1/2.2016


J. Emil Sennewald :  Modemacher wollen Museen. Pionier dafür war Nicolas Bour­riaud, damals Leiter des Palais de Tokyo in Paris und Kurator der Lyon-Biennale. Mit Sinn für Ästhetik. Und für Sponsoring. Das Mode-Défilé, das damals begann, ist längst nicht mehr nur in Frankreich Institution.


: Museen von Modedesignern - Im Namen des Luxus


  
Gehry Partners LLP · Fondation Louis Vuitton, 2014. Foto: Iwan Baan


Unvergessen: Der intellektuelle Kurator im Edelfummel von Hermès auf dem Laufsteg. Linkisch läuft er seine Runde, dann folgen Künstler/innen, als letzter Wang Du, er hat mächtig Spass, Applaus. Das Défilé war der eigentliche Höhepunkt der Lyon-Biennale von 2005. 150'000 € hatte sich das Modehaus den Abend kosten lassen, versorgte Bestkunden mit Edelhäppchen, liess Biennale-Kuratoren Nicolas Bourriaud und Jérôme Sans Mode zeigen. Ein neuer Trend: Luxusmode goes Arty. Neu? Mode und Kunst sind seit François I. wahlverwandt. Christian Dior war vor seiner Karriere als Couturier Galerist, liess sich wie viele andere von Kunst inspirieren. Etwa seit Ende der Achtziger wurde Kunst von Konzernen gezielt eingesetzt.
Louis Vuitton liess Takashi Murakami Handtaschen gestalten, richtete einen «Espace culturel» über seinem Flagship-Store auf den Champs-Élysées ein. Für einige Jahre flog er ausländische Journalist/innen ein, umhegte sie für huldvolle Berichte. Jetzt wurde er geschlossen - es gibt ja nun das Museum der Fondation Louis Vuitton.
Frank Gehrys Museumsskulptur suggeriert mit gläserner Faust Definitionsmacht, die früher öffentlichen Museen zukam. Die Finanzkraft des Luxuskonzerns erlaubt exquisite Ausstellungen, betreibt einen Paradigmenwechsel, fragte frech suggestiv in einem Symposium im Juni, wer heute Kunstgeschichte bestimmt.
Andere Unternehmen wie Cartier, seit 1994 mit eigenem Museum, wollten meist Unternehmenskultur verallgemeinern und nebenbei Steuern sparen. Hermès dreht das weiter, kooperiert aktiv mit Kunstmacher/innen. Vom Kristallmuseum in Saint-Louis über Brüssel bis Japan und Indien verbindet die Stiftung «Schaffensgesten» von Kunst und Kunsthandwerk - mit Label. Wie die ‹Formes simples› im Centre Pompidou Metz 2014. Jean de Loisy - derselbe Kurator, der hier über einfache Form Exzellenz inszenierte - geht auch als Direktor des Palais de Tokyo Hand in Hand mit der Mode. Das Label Chloé durfte eine schwächliche Schaufensterpuppen-Schau zeigen, andere sollen folgen.
Nachhaltiger wirkt Sponsor Pierre Bergé, der Nachlassverwalter von Yves Saint ­Laurent. Seine «Module» fördern jüngste Kunst, die dann auf der Lyon-Biennale wieder auftaucht. Geschlossene Zirkel sind, bei aller Leistung für die Kunst, das grösste Problem der Modemuseen. Besonders weil nicht transparent ist, wer zahlt, wer dient. Verhandelbar bleibt, für wen Kunstgeschichte geschrieben wird.



Links

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Ausgabe 1/2  2016
Autor/in J. Emil Sennewald
Link http://fondationlouisvuitton.fr
Link http://www.fondationdentreprisehermes.org
Link http://fondation.cartier.com
Link http://fondation-entreprise-ricard.com
Link http://fondation-pb-ysl.net
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