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Besprechung
1/2.2016


Yasmin Afschar :  Im Kunstraum Réunion erprobt ein Team aus Zürcher Kunst- und Kulturschaffenden alternative Formen des Kooperierens und Ausstellens. Modulare Raumelemente setzten den Rahmen für ein Skript, das auf der Basis wechselseitigen Austauschs ­erarbeitet und nun performativ zum Leben erweckt wurde.


Zürich : Petra Koehle & Nicolas Vermot-Petit-Outhenin - [f: la répète]


  
[f: la répète] · Le Foyer, Zürich, 2015, Installationsansichten


Der Anfrage für eine Einzelausstellung im Projektraum Réunion im Zürcher Kreis 4 begegneten Petra Koehle und Nicolas Vermot-Petit-Outhenin mit einer Einladung ihrerseits. Postwendend richteten sie diese an die Initiatorinnen der Ausstellung, Gioia Dal Molin und Anna Francke, welche die Gesprächsplattform Le Foyer betreiben. Mit Riikka Tauriainen holten sie eine weitere Künstlerin ins Boot und mit Georg Rutishauser von edition fink einen Vertreter der Kunstbuchbranche, der auch das Buch zum Projekt verlegen wird. Das Aufgreifen des dialogischen Formats von Le Foyer ging mit dem Ziel einher, im gemeinsamen Sprechen und Agieren die eigenen Projekte voranzubringen und daraus ein Ausstellungsprogramm zu entwickeln, das die klassische Vorstellung von künstlerischer Selbst(re)präsentation überwindet. Gefragt waren von den Kollaborateur/innen keine fixfertigen Ideen, sondern in erster Linie Interessen. Diese sollten entlang der jeweiligen künstlerischen, kuratorischen oder verlegerischen Tätigkeiten die Basis der gemeinsamen Diskussion bilden. So erhalten wir Einblick in Koehle & Vermots gross angelegte Recherche zum von Südafrika gestifteten Konferenzsaal im UNO-Hauptsitz in Genf, oder wir erfahren von Tauriainens Projekt über weibliche Expeditionsreisende im 19. Jahrhundert. Gemeinsamer Nenner der Arbeiten ist die Beschäftigung mit dem «Bild des Fremden» und die Auseinandersetzung mit postkolonialen Theorien.
‹La répète›, französisch für «Probe», ist demnach Programm. Und die Aufführung? Die gibt es auch. Aber nicht als «Grande Finale», sondern in Form zweier Ausstellungsblöcke, in denen die Projektarbeit öffentlich zugänglich gemacht wird. Während dreier Wochen im Herbst 2015 verlagerten die Teilnehmenden ihre Recherchetätigkeiten in den Kunstraum Réunion, für den sie eigens eine Bühnenstruktur aus Holzelementen entwickelten. Hier fanden Diskussionen mit Gästen statt, Veranstaltungen wurden durchgeführt und Material zusammengetragen für ein Skript, welches das Ausgangsmaterial bildet für den zweiten Ausstellungsteil. Mittels Performances werden die unterschiedlichen Themenstränge wieder aufgenommen und das im ersten Teil zusammengetragene Text-, Ton- und Bildmaterial gemäss bestimmten Handlungsanweisungen interpretiert. Bei alldem kann stets auch das Publikum Kollaborateur/innen hervorbringen, sei es, indem es sich bei den Gesprächen einschaltet oder auch nur ein Buch zum Bibliotheksapparat beisteuert.

Bis: 30.01.2016



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Ausgabe 1/2  2016
Ausstellungen Petra Köhle, Nicolas Vermot Petit-Outhenin [10.01.16-30.01.16]
Institutionen Le Foyer [Zürich/Schweiz]
Autor/in Yasmin Afschar
Künstler/in Petra Köhle
Künstler/in Nicolas Vermot Petit-Outhenin
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