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1/2.2016




Davos : Ernst Ludwig Kirchner


von: Gisela Kuoni

  
links: Ernst Ludwig Kirchner · Erna Schilling und Ernst Ludwig Kirchner im Atelier Berlin Wilmersdorf, Durlacher Strasse 14, um 1912/14, Courtesy Kirchner Museum Davos
rechts: Ernst Ludwig Kirchner · Nelly und Sidi Heckel (Riha) im Atelier von Erich Heckel, Dresden, um 1910/11, Courtesy Kirchner Museum Davos


Fotografische Arbeiten von Ernst Ludwig Kirchner meint man zu kennen. Einen ganz neuen Aspekt zeigt jedoch die derzeitige Ausstellung im Kirchner Museum. Durch eine umfangreiche Förderung des Bundesamts für Kultur und des Kirchner Verein Davos wurde die Erschliessung des kompletten Bestandes von Kirchners reichem fotografischem Werk ermöglicht. Von den 1500 im Museum befindlichen Werken werden 300 Arbeiten gezeigt und trotz oder vielleicht gerade wegen ihres Bekanntheitsgrades ergeben sich ganz neue Perspektiven und Erkenntnisse. Zahlreiche der gezeigten Arbeiten sind Neuentdeckungen und überhaupt erstmals zu sehen. So gibt es Unikate von Postkarten, die Kirchner aus den Fotografien eigener Werke anfertigte und verschickte.
Kirchner malte nicht nur des Malens wegen. Gern inszenierte er seine vollendeten Gemälde in der entsprechenden Umgebung. Wie ein Freiluftstudio diente ihm die Szenerie. Skulpturen mit atmosphärischen Schattenwürfen - auch Werke von Hermann Scherer - stellte er scheinbar unbeabsichtigt in Gruppen mit lebenden Protagonisten zusammen. Seine Atelieraufnahmen dokumentieren das bohèmehafte Leben daselbst, aber nicht weniger wichtig sind dabei die Abbildungen der dort auf der Staffelei oder bereits an den Wänden hängenden Bilder. Von ihm gestaltete Ausstellungen aus Dresden und Berlin in intimer Salonhängung sind beliebte Motive. Neben diesen Atelierszenen, Aktbildern und Tänzerinnen sind stark typisierende Porträts zu sehen, Szenen aus dem bäuerlichen Leben ebenso wie Auftritte seiner jeweiligen Gäste in Haus und Umgebung.
Oftmals dienen seine Fotografien auch als Erinnerung an später angefertigte Bilder, als Gedächtnisstützen und Anregung. Ein wunderbares Beispiel ist die später im Gemälde ‹Reiterin›, 1931/32, umgesetzte Fotografie einer jungen Frau in Davos.
Kirchner war fasziniert von den fotografischen Möglichkeiten und spielte mit ihnen. Er experimentierte mit der Belichtungszeit und der Entfernung. Scheinbare Unschärfe oder Schattenwürfe sind bewusst eingesetzte Mittel. Selbst in Schwarz-Weiss-Bildern meint man Farbklänge zu sehen. Vermeintliche «Fehler» wurden auch bei der Bearbeitung für die Ausstellung nicht kaschiert. Kirchner wird einmal als Fotograf mit künstlerischem Anspruch gezeigt, daneben als Archivar seiner eigenen Arbeiten.

Bis: 01.05.2016


mit Katalog



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Ausgabe 1/2  2016
Ausstellungen Der Künstler als Fotograf [22.11.15-01.05.16]
Institutionen Kirchner Museum Davos [Davos/Schweiz]
Autor/in Gisela Kuoni
Künstler/in Ernst Ludwig Kirchner
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