Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Hinweis
1/2.2016




München : Painting 2.0


von: Roberta, De Righi

  
links: Martin Kippenberger · Heavy Burschi; hinten: Yves Klein und Niki de Saint Phalle, Courtesy Museum Brandhorst
rechts: Charline von Heyl · Now or Else, 2009, Acryl auf Leinwand, 208,3x198,1 cm, Courtesy Galerie Gisela Capitain, Köln/Petzel Gallery, New York


‹Heavy Burschi›: Martin Kippen­berger liess 1989 seinen Assistenten eine Bildserie malen, fotografierte sie - und häckselte die Originale für den Container. Die Installation steht nun am Beginn der Mammutschau ‹Painting 2.0 - Malerei im Informationszeitalter› im Museum Brandhorst. Damit geben Achim Hochdörfer, der seit 2013 das Haus leitet, und Ko-Kurator Tonio Kröger den definitiven Einstand. Sie trugen fast 240 Exponate zusammen, über die Hälfte Leihgaben, präsentieren aber auch starke Neuerwerbungen.
Ein Manifest in 18 Kapiteln, das in Kooperation mit dem Wiener Museum für Moderne Kunst entstand (weitere Kuratoren: Manuela Ammer, David Joselit) und dort ab Juni gezeigt wird. Es erstreckt sich über drei Stockwerke und verbannt sogar die Rosen des Hausheiligen Cy Twombly auf Zeit aus dem grossen Saal im Obergeschoss - der demonstrativ von einem diagonalen Einbau durchschnitten wird.
Die Ausstellung will zeigen, dass die Malerei nicht nur nie tot war, sondern vielmehr seit den Sechzigerjahren vollbrachte, was der digitalen Revolution im nutzergenerierten, interaktiven Web 2.0 ähnelt: Transformation durch Aneignung. Nur dass sie einst auf eine Konsumgesellschaft und Spektakelkultur reagierte, deren Reibungsflächen im aufkommenden Massenmedium Fernsehen übermittelt wurden.
Da stehen die Markt-Platzhirsche Polke, Richter, Rauschenberg neben Majerus und Albert Oehlen - und weniger populären Meister/innen. Selbst Polke und Richter tauchen nicht als einsame Helden auf, sondern im Kontext des Kapitalistischen Realismus.
Ein Prinzip, das auch dazu führt, dass der Frauenanteil hoch ist. Hier findet das feministische Netzwerk A.I.R. Platz, in dessen Kreis Mary Beth Edelson wie bei Rembrandts Dr. Tulp den ‹Tod des Patriarchen› inszenierte. Oder das Kölner ‹Kränzchen›, in dem Jutta Koether die Reihe ‹Cézanne, Courbet, Manet, van Gogh› mit ‹Ich› fortsetzt und Cosima von Bonin viel Bildkörper für ‹Nichts› hergibt.
Den Vampirismus des Marktes und die Malerei als Wiedergängerin bringt Monika Baer eindrucksvoll auf die Leinwand. Und Isa Genzken führt vor Augen, dass der Künstler, der sich seines Marktwertes bewusst ist, seine Glaubwürdigkeit verspielt.
Mag die Ausgangsthese auch ein wenig bemüht wirken: ‹Painting 2.0› ist eine fesselnde und facettenreiche Schau, an der imponiert, dass die Macher Mut zur Behauptung haben. Diese Öffnung und Neupositionierung tut dem Haus sichtlich gut.

Bis: 30.04.2016



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 1/2  2016
Ausstellungen Malerei im Informationszeitalter [14.11.15-30.04.16]
Institutionen Museum Brandhorst [München/Deutschland]
Autor/in Roberta, De Righi
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=1512281508234AD-26
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.