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1/2.2016




Strasbourg : Tristan Tzara


von: Yvonne Ziegler

  
links: Man Ray · Le groupe dada, um 1922, Silber­gelatineabzug, 13,7x26 cm, Privatsammlung, Musées de la ville de Strasbourg ©ProLitteris, Courtesy Man Ray Trust. Foto: M. Bertola
rechts: Tristan Tzara · Parler Seul, Gedicht, Paris: Maeght, 1950, Lithografie von Joan Miró, Fonds Michel Leiris. Paris, Bibliothèque littéraire Jacques Doucet ©ProLitteris


Als Tristan Tzara im Januar 1920 nach Paris kam, war Gabrièle Picabia erstaunt, einen kleinen, provinziell gekleideten Mann in ihrer Diele zu begrüssen. Den provokativen Dichter, der auf Bitte ihres Mannes und den Gründern der Zeitschrift ‹Littérature› den Dadaismus von Zürich nach Paris bringen sollte, hatte sie sich anders vorgestellt. Und doch sollte dieser - im Übrigen vor Publikum eine einprägsame, wortgewaltige Persönlichkeit - auch in Paris zu einer zentralen Grösse werden. Dies bezeugen zahlreiche Fotografien, auf denen er im Kreise der wichtigsten Avantgardekünstler seiner Zeit auftaucht.
Anhand einer Überblicksschau macht das Museum für moderne und zeitgenössische Kunst das etwas in Vergessenheit geratene Wirken des Dichters, Essayisten und Kunstsammlers fassbar. Dabei präsentiert es neben Zeichnungen, Manuskripten, und Veröffentlichungen in Zeitschriften und Büchern auch Kunstwerke aus Tzaras Sammlung, die seine Verbindungen zu den künstlerischen Protagonisten sowie seine Leidenschaft für aussereuropäische Kunst deutlich machen. Des Weiteren wird sein politisches Engagement im Spanischen Bürgerkrieg sowie in der kommunistischen Partei der Fünfziger aufgezeigt. Dass Tzara ein sehr eigenständiger, jeglichem Dogmatismus sich verwehrender klar denkender Geist war, machen zudem Film- und Audiobeiträge eindrücklich spürbar.
Geboren wurde Tzara 1896 als Samuel Rosenstock in Moineşti, Rumänien. Angeregt durch europäische Zeitschriften, in denen Texte von Christian Morgenstern, Arthur Rimbaud, F.T. Marinetti oder Alexander Macedonski kursierten, begann Tzara als Jugendlicher Gedichte zu schreiben, die dem Symbolismus verpflichtet waren. 1912 gründete er mit Ion Vinea die Zeitschrift ‹Simbolul›, womit eine lebenslange publizistische Tätigkeit ihren Anfang nahm. Schon bald wurden seine Gedichte freier und er begann Sinn und Syntax aufzubrechen. Ende 1915 verliess er sein Heimatland, um Marcel Janco nach Zürich zu folgen, wo er - fortan unter dem Pseudonym Tristan Tzara - zusammen mit Hugo Ball, Emmy Hennings, Hans Arp und anderen im Cabaret Voltaire wilde Dada-Abende organisierte. Nach Kriegsende ging er nach Paris, wo Dada zunächst weitergeführt wurde und schliesslich in den Surrealismus überging. Doch vorgängig hatte sich Tzara mehrmals mit dem selbsternannten Surrealistenpapst André Breton überworfen und Dada 1924 für tot erklärt. Es folgten Jahre fruchtbaren publizistischen Schaffens und literarisch-politischen Engagements.

Bis: 17.01.2016



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Ausgabe 1/2  2016
Ausstellungen Tristan Tzara [24.09.15-17.01.16]
Institutionen Musée d'art moderne et contemporain Strasbourg [Strasbourg/Frankreich]
Autor/in Yvonne Ziegler
Künstler/in Tristan Tzara
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