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3.2016




Baden : Spiel, Spielen und Kindheit


von: Thomas Schlup

  
links: Kleider machen Leute - Kinderkleider durch 200 Jahre
rechts: Das Spielzeug und seine Geschichte ­ent­decken, Courtesy Kindermuseum


Quirlige Kinder bringen Leben in die fast 120-jährige Villa aus der Zeit, als Baden die BBC-Stadt schlechthin war. Und auch die Erwachsenen werden wieder zu Kindern, sehen sie doch im ‹Kindermuseum› Spiel­sachen wieder, die sie einst selbst in den Händen hielten: vom Blechkreisel über Steinbaukästen bis zur Puppenstube. In einer nachgebildeten Schulstube kann sich, wer will, in enge Bänke zwängen. Der Rundgang ist herrlich verwinkelt, so dass es dem Schreibenden mehr als einmal passierte, einen Raum zu betreten und festzustellen: Da kam ich doch vorher von der anderen Seite herein. Kein Wunder, denn das Haus beherbergt in zwanzig Ausstellungs­räumen zwei Jahrhunderte Kinderkultur.
Wertvolle Exponate, und die gibt es zuhauf, sind in Vitrinen und Schränken platziert. Es sind aber genügend Tische und Experimente vorhanden, um dem Entdeckergeist gerecht zu werden. Ein Spielzimmer lädt zum Austoben, eine Werkstatt zur konzentrierten Arbeit; und in einer Nische wartet ein grosses Schach. Im Dachgeschoss lockt das Spieltheater in seiner Vielfalt. Technikerprobte Kinder haben ihre eigenen Fachtermini, wie der Junge, der vor einem Guckkasten, einer ‹chinesischen Laterne› begeistert ausruft: «Lueg da, en alte Beamer!»
Zwei Kabinettausstellungen widmen sich Lehrmitteln und dem Volksspielzeug aus fremden Ländern. Unter den geschnitzten Tieren und Krippenfiguren finden sich etliche Kunstwerke und wir staunen über die kleinen Schätze, die Kinder aus ihren ‹Hosensackmuseen› - allen möglichen textilen Verstecken - hervorzuzaubern wissen.
So begeben wir uns auf eine Zeitreise entlang des Spielzeugs. Gespielt wurde schon immer, und im Spiel lernt das Kind fürs Leben, auch wenn Erwachsene dies manchmal als «gfätterle» abtun. Älteste Funde von Puppen reichen über 20'000 Jahre zurück. Puppen spielen aber auch in der Modewelt eine grosse Rolle, wie die bis Ende dieses Jahres dauernde Spezialausstellung ‹Kleider machen Leute› aufzeigt. Bevor Journale oder gar Blogs Mode unter die Leute brachten, wurden ‹poupées de mode› mit Koffern voller Kleider an die Fürstenhöfe Europas versandt. Noch heute gibt es die ‹paper dolls› mit unterschiedlichen Garderoben, die auch ausprobiert werden können. Passend zum Thema hängen viele Kleiderbügel an der Decke über der Treppe in den untersten Stock. Dort befindet sich auch die grässliche Cafeteria mit ihrer Automatenverpflegung.
Das Museum in Gehdistanz vom Bahnhof bezeichnet sich als ‹Haus der Generationen›; ein Anspruch, dem es seit über dreissig Jahren gerecht wird. Ein vielfältiges Rahmenprogramm, Souvenirs und eine Fachbibliothek runden das insgesamt sehenswerte, aus einer kindheitsgeschichtlichen Studiensammlung gewachsene Angebot ab.



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Ausgabe 3  2016
Institutionen Schweizer Kindermuseum [Baden/Schweiz]
Autor/in Thomas Schlup
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