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3.2016




Freiburg/B : Henrik Håkansson


von: Yvonne Ziegler

  
links: Henrik Håkansson · A Tree (Suspended), 2016, Installationsansicht Kunstverein ­Freiburg. Foto: Marc Doradzillo
rechts: Henrik Håkansson · Earthchrome, (N: 48°00'19” E: 7°54'13” ), 2016, Erde auf Leinwand, 200x200 cm. Foto: Marc Doradzillo


Der Mensch, selbst Teil der Natur, herrscht über die Schöpfung: Er sprengt Felsen, tötet Tiere, raubt Früchte, verschmutzt Gewässer, ja zerstört ganze Ökosysteme. Er besitzt auch die Macht, die Erde zu bewahren. Ein Auftrag von nunmehr höchster Dringlichkeit. Seit den frühen Neunzigerjahren beschäftigt sich der schwedische Künstler Henrik Håkansson (*1968, Schweden) mit dem Verhältnis von Mensch und Natur, durchstreift Landschaften und Stadtgebiete, registriert, studiert und beobachtet. Leidenschaftlich setzt er sich mit dem Schicksal von Pflanzen und Tieren auseinander. Stare, die an Flughäfen abgeschossen werden, um den Luftverkehr nicht zu stören, oder Insekten, die lagerndes Holz bedrohen, werden Teil seiner Werke.
Im Kunstverein Freiburg präsentiert er einen realen Baum: Eine noch junge Buche, die mit ihrem Wurzelwerk dem Boden entrissen wurde, schwebt durch Drahtseile gehalten wenige Zentimeter aufrecht über dem Boden. Eine Art Opfergabe. Ein Mahnmal für die Wälder der Welt. Wie der einzeln stehende Baum in Gemälden von Caspar David Friedrich zieht die Buche den Blick magisch an, wird zur Stellvertreterin der Natur selbst, erscheint mit ihren ausgreifenden Armen als menschenähnliches Gegenüber, einer kosmischen Ordnung unterworfen und vergänglich wie wir selbst. Bewusst kontrastiert Håkansson Natürliches mit Künstlichem, indem er den Baum durch eine technische Konstruktion aus Traversen und Drahtseilen in der Mitte des White Cube arretiert. Die Inszenierung wird durch zwei Theaterscheinwerfer verstärkt, die sonnengleich Licht und Schatten spenden. Achtzig heimische Laubbäume am Freiburger Rosskopf wurden fotografiert, um den einen zu finden, der ohnehin entfernt werden musste, um den umliegenden Baum­bestand zu schützen. Håkansson geht sorgsam mit der Natur um. Auch für die auditive Aufnahme eines fallenden Baums wartete er, bis die Förster eine Ulme aus Sicherheitsgründen fällen mussten. Man hört den erschreckend kurzen Moment berstenden Holzes. Håkansson zollt ferner dem Boden Reverenz, in dem der Baum verwurzelt war, seine Substanz wird zum Bild. Im Abstand von 100 Schritten umrundete er einen einzeln stehenden Baum mit 360 Schritten und fotografierte ihn schrittweise. Sorgsam gereiht offenbaren die Fotografien die Unebenheiten des Geländes, die Verschiebung der Perspektive, das Licht und den von Wind und Wetter geformten Wuchs. Ein Baum ist eine naturgegebene Skulptur.

Bis: 06.03.2016



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Ausgabe 3  2016
Ausstellungen Henrik Håkansson [29.01.16-06.03.16]
Institutionen Kunstverein Freiburg [Freiburg/B/Deutschland]
Autor/in Yvonne Ziegler
Künstler/in Henrik Håkansson
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