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3.2016




Genève : Gilles Caron


von: Katharina Holderegger Rossier

  
links: Gilles Caron · Vietnam, Schlacht von Dak To/Hügel 875, November 1967, Ektachrome, Courtesy Fondation Gilles Caron
rechts: Gilles Caron · Flugzeugträger USS Forrestal, 1968, Ektachrome, Courtesy Fondation Gilles Caron


Bis vor wenigen Wochen tourte die im Musée de l'Elysée in Genf gestartete Retro­spektive ‹Le conflit intérieur› des bedeutenden Fotojournalisten Gilles Caron. Diese stellte einen Allrounder vor, der nach einem kurzen Debüt als Mode- und Starfotograf 1965 bis zu seinem Verschwinden 1970 in Vietnam zahlreiche dramatische Zeitereignisse - Kriege, Militärputsche, Hungersnöte, aber auch die Unruhen im Mai 1968 - aufnehmen sollte, ohne indes dem Glamour in Paris den Rücken zu kehren. Zudem begleitete er die von ihm verehrten Filmemacher Godard und Truffaut regelmässig bei Dreharbeiten.
Konzentrierte sich die museale Retrospektive ganz auf die mehrheitlich schwarzweissen Reportagen des immer auch seine eigene Rolle hinterfragenden Fotojournalisten, hat die 2007 gegründete Fondation Gilles Caron nun mit ‹Couleurs› eine weitere Ausstellung in Umlauf gebracht. In dieser mit Unterstüzung der Fondation Bru realisierten Schau sind nun erstmals eine Auswahl der Ektachrome oft praktisch identischer Situationen zu sehen. Erst das systematische Sichten der über 100'000 hinterlassenen Aufnahmen hat die Bedeutung enthüllt, die Caron bereits in den Sechzigerjahren der Farbfotografie zuschrieb, obwohl diese damals nicht nur aus Kosten-, sondern auch aus ästhetischen und ideologischen Gründen in den Zeitschriften nur sehr selektiv berücksichtigt wurde. Der unerschrockene Mann soll - sogar in Lebensgefahr - tatsächlich stets mit zwei Kameras, einer für Schwarzweiss-, einer für Farbaufnahmen, hantiert haben.
Die zurzeit in der Galerie Blondeau & Cie in Genf gastierende Schau zeigt, wie virtuos Caron die Farbe zur Dokumentation und Interpretation der Realität jeweils eingesetzt hat. Transportieren leuchtende Farben die berückende Schönheit und unbändige Hoffnung des Lebens, stehen die dreckigen Farben der Kriegsbilder für die totale Verrücktheit, in der sich der Mensch - zudem noch in schlammbraungraugrünen Uniformen - immer wieder wälzt. ‹Couleurs› ist jedoch nicht nur aufgrund der schieren Bild- und Abzugsqualität (auf bereits nicht mehr produziertem Cibachrome) faszinierend. Die Ausstellung führt uns vor allem die Anfänge unserer postmodernen Welt farbig vor, Anfänge, an die wir uns eher noch in schwarzweissen Bildern erinnern.

Bis: 05.03.2016



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Ausgabe 3  2016
Ausstellungen Gilles Caron [10.02.16-05.03.16]
Institutionen Blondeau & Cie [Genève/Schweiz]
Autor/in Katharina Holderegger Rossier
Künstler/in Gilles Caron
Link http://www.fondation-bru.org/en
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