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3.2016




Langenbruck : Gottfried Honegger


von: Iris Kretzschmar

  
links: Gottfried Honegger · Pilages, Ausstellungs­ansicht Kloster Schönthal. Foto: Heiner Grieder
rechts: Gottfried C. Honegger · Frühe Skulpturen, 1950er Jahre, Ausstellungsansicht Kloster Schönthal. Foto: Heiner Grieder


Die Ausstellung von Gottfried Honegger im Kloster Schönthal ist durch den Tod des bedeutenden Schweizer Malers und Bildhauers im Januar nun unvermittelt zur Hommage geworden. Die Schau reicht vom Frühwerk aus den Fünfzigerjahren, das aus dem Fundus der Natur schöpft und wie eine «Keimzelle der Abstraktion» die Grundzüge der späteren Werke in sich trägt, über die ‹Pliages› bis zu den letzten Arbeiten von 2015. Zentral in Honeggers Schaffen sind die seit seinen Anfängen entstandenen ‹Tableaux-reliefs›, die Malerei und Relief verbinden. Sie basieren auf collagierten, quadratischen, rasterähnlich angeordneten Kartonplättchen. Eines davon ist in Grafit in wochenlanger Handarbeit entstanden. Die feinen Erhebungen spielen mit den Reflexionen des Lichts und lassen eine geheimnisvolle Ausstrahlung entstehen. Die Mitte des Sakralraums wird durch farbige Stelen akzentuiert, die ‹Pliages›. Honegger hat sie aus einfachen Kartonröhren entwickelt. Mit Schnitten und Faltungen werden Inneres und Äusseres in einen tänzerischen Dialog versetzt. Auch die filigranen Computerzeichnungen von 1970 in der Abtsstube gehen auf das prägende Prinzip von Plan und Zufall zurück.
Honegger begann seine Laufbahn als Grafiker in Zürich, sie führte ihn nach New York, wo er sich - nach Begegnungen mit Al Held, Sam Francis und Barnett Newman - für den Weg als freier Künstler entschied. Frankreich wurde zur zweiten Heimat, Zürich blieb er verbunden. 2004 rief er, zusammen mit seiner Partnerin Sybil Albers, das Kulturzentrum Fondation ­Albers-Honegger im südfranzösischen Mouans-Sartoux ins Leben, ein Museum für konkrete Kunst, inklusive Atelier für Kinder.
Nicht nur Honeggers schöpferisches Œuvre, auch seine inspirierende Persönlichkeit und sein Interesse an sozialen Fragen haben die Kunstwelt nachhaltig geprägt. Vehement verteidigte er seine ästhetischen und kulturpolitischen Vorstellungen in Diskussionen und Briefen. Über die Schulung des Auges durch Form und Farbe solle der Mensch neue Erkenntnisse gewinnen, um so «eine bessere Gesellschaft zu bauen» - Ideen, die hoffentlich auch über sein Leben hinaus weiter hallen werden.

Bis: 24.04.2016



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Ausgabe 3  2016
Ausstellungen Gottfried Honegger [21.11.15-24.04.16]
Institutionen Kloster Schönthal [Langenbruck/Schweiz]
Autor/in Iris Kretzschmar
Künstler/in Gottfried Honegger
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