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3.2016




Lustenau, Genf : Jürgen Partenheimer


von: Katharina Holderegger Rossier

  
links: Jürgen Partenheimer · Metaphysik, 2015, Ausstellungsansicht haeusler contemporary, Lustenau ©ProLitteris. Foto: Wolfgang Stahl
rechts: Jürgen Partenheimer · Calliope, 2015, Ausstellungsansicht Musée Ariana, Genf ©ProLitteris


Lange zwischen Kunstschaffen und Kunstgeschichte hin und her gerissen, schlug sich Jürgen Partenheimer (*1948, München) nach seiner ersten, mit ‹Was sind Sie denn von Beruf?› betitelten Gruppenschau 1980 in der Kunsthalle Düsseldorf doch ganz auf die Seite des Künstlers. Mit seiner offenen Bildsprache dockte er an die lyrische Abstraktion der Vierziger- bis Siebzigerjahre an, ohne allerding deren zunehmende konzeptuelle Kühnheit fortzusetzen. Die Kritik, die den sofort mit aufwendigen Publikationen auftretenden Künstler zunächst als Epigonen einstufte, ist indes verstummt.
Von Partenheimers einfachen Motiven, die er in zartschmelzenden Farben mit langsamer, manchmal aber auch zuckender Hand auf Papier und Leinen setzt, gehen beseligende Schwingungen aus. Es überträgt sich dabei vielleicht das, was der Arbeits- und Kreativitätspsychologe Mihály Csíkszentmihályi «Flow» genannt hat. Partenheimer ist ein Künstler, der sich in gewissem Kontrast zur okzidentalen Kreation innerhalb einer eher besänftigten als gepeitschten Tradition vor Aufgaben stellt, die ihm selbstvergessenes, glückspendendes Tun ermöglichen. Sein Schaffen erinnert an das eines japanischen Kalligrafen oder eines afghanischen Teppichwebers. Und dies ist wohl auch der Grund, dass Partenheimer in Ostasien so gut ankommt; in einer Kultur, die auf ein repetitives, meditatives Schöpfen in einer steten Meister-Schüler-Beziehung baut.
Neben der luftigen, mit ‹Metaphysik› betitelten Retrospektive in der Galerie häusler contemporary ist im Musée Ariana nun ein auf Anstoss der Porzellanmanufaktur Nymphenburg entstandenes, den üblichen Rahmen keck sprengendes Projekt zu sehen. Aus den drei von Partenheimer entworfenen Gefässen, deren je siebenfache Umsetzung er in maximaler Grösse gedreht erbat, spricht ein gewaltiger Kraftakt. Zudem sind in den über einem kurzen Fuss kräftig gebauchten und sich zu einer breiten Lippe öffnenden Behälter überraschende Referenzen an den Körper in das Universum des Künstlers eingedrungen.

Bis: 01.04.2016



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Ausgabe 3  2016
Ausstellungen Jürgen Partenheimer [20.11.15-20.03.16]
Ausstellungen Jürgen Partenheimer [25.09.15-01.04.16]
Institutionen Musée Ariana [Genève/Schweiz]
Institutionen Häusler Contemporary Lustenau [Lustenau/Österreich]
Autor/in Katharina Holderegger Rossier
Künstler/in Jürgen Partenheimer
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