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3.2016




München : Snow


von: Roberta, De Righi

  
Philipp Messner · Clouds, 2016, Farb-Happening, Stiftung Eres München ©ProLitteris


Das Wetter machte der Kunst zunächst einen Strich durch die Rechnung: Als Philipp Messner (*1978) Anfang Januar für ‹Clouds›, sein Farb-Happening im öffentlichen Raum, drei Schneekanonen vor der Alten Pinakothek aufstellen liess, war es sogar für Kunstschnee viel zu warm. Zehn Tage lang standen sie als skulpturale Mahner des Klimawandels auf der grünen Wiese, ehe sie - dem Wintereinbruch sei Dank - gelben, rosafarbenen und hellblauen Schnee versprühen konnten. Für Farbfeldmalerei zwar ungewohnte Pastelltöne, aber für echten Stadtschnee dann doch zu bunt. Messner zufolge verdeutlicht die Farbe nicht nur die menschgemachte Beschaffenheit des Schnees, sondern sie steht generell für die Künstlichkeit dessen, was wir heute als Natur verstehen.
‹Clouds› ist Teil einer Präsentation, die sich unter dem Titel ‹Snow Future. Die Alpen - Perspektiven einer Sehnsuchtslandschaft in Kunst und Wissenschaft› in der Münchner ERES-Stiftung mit den Folgen des Klimawandels für den Kulturraum - und die Tourismus-Top-Region - auseinandersetzt. Die Stiftung hat sich den Dialog von Wissenschaft und Kunst zur Aufgabe gemacht. Ihre Ausstellungsprojekte hinterlegen die künstlerischen Positionen mit Tatsachen und neuesten Erkenntnissen. So auch in ‹Snow Future›, die in einen Reigen zum «Anthropozän» eingebettet ist. Da erfährt man, dass im Schnitt pro Jahr etwa 40 km2 alpine Gletscherfläche verloren gehen; dass es in den Alpen rund 38'000 Schneekanonen gibt und für einen Hektar Kunstschnee 20'000 Kilowattstunden und 1,5 Millionen Liter Wasser nötig sind.
Wissenschaftliche Fotografien dokumentieren etwa den Rückzug des Tessiner Chüe­bodengletschers seit 2010. Ihnen werden die Artefakte gegenübergestellt: Leuchtkästen mit Fotos von Messners Farbexperiment, das er bereits 2014 in Südtirol erprobte. Wie verblasst wirkende Aufnahmen des Südtiroler Lichtbildners Walter Niedermayr (*1952), welche die Versehrtheit des Gebirges zeigen. Expressiv-abstrahierte Bergbilder des Münchner Malers Hansjoerg Dobliar (*1970).
Der didaktische Ansatz der Stiftung und die Konfrontation mit der Realität sind eine Herausforderung für die Kunst - die oft erfolgreich bewältigt wird. Leider tun sich die Werke in ‹Snow Future› häufig aber schwer, der Aussagekraft der Fakten standzuhalten und dem Thema auf höherer Ebene etwas hinzuzufügen. Lohnend ist der Besuch dennoch: Die Absurdität des Skizirkus in Zeiten des Klimawandels führt sie unmissverständlich vor Augen.

Bis: 23.04.2016



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Ausgabe 3  2016
Ausstellungen Hansjörg Dobliar, Philipp Messner, Walter Niedermayr [27.01.16-23.04.16]
Institutionen ERES-Stiftung [München/Deutschland]
Autor/in Roberta, De Righi
Künstler/in Hansjörg Dobliar
Künstler/in Philipp Messner
Künstler/in Walter Niedermayr
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