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3.2016




Siegen, Madrid : Rémy Zaugg


von: Verena Kuni

  
links: Rémy Zaugg · Dies / Ich / Bin · 1990-1997, ­Privatsammlung, Zürich, Courtesy Galerie Ma 36, Zürich. Foto: Peter Baracchi
rechts: Rémy Zaugg · About Death II, 1998-2002, ­Installationsansicht MGK Siegen, Courtesy Galerie Mai 36, Zürich. Foto Christian Wickler


‹NUR/DAS›. Ein Bild. Zwei Bilder. Zwei Worte. Schwarze Schrift auf weissem Grund. Nur. Das - und eben darum nur das und doch mehr als nur das. Eine Feststellung, die zugleich ihr eigener Widerspruch ist und damit zur Herausforderung an die Wahrnehmung wird. Formuliert mit den Mitteln der Kunst.
‹Die Frage der Wahrnehmung›: Diese Frage als Maler, in und mit der Malerei immer wieder aufs Neue zu stellen - an sich selbst ebenso wie an all jene, die Bilder betrachten - hat den Schweizer Rémy Zaugg (1943-2005) zeitlebens beschäftigt. Schon deshalb trifft der Titel der Ausstellung, die das Museum für Gegenwartskunst Siegen gemeinsam mit dem Madrider Museo Reina Sofia aus Anlass seines fünften Todestages entwickelt hat, auf den Punkt.
Die Retrospektive umfasst nicht allein die bekannten Wort-Tableaus, die teils schwarz auf weiss, teils in greller Farbkombination, mit ihren oftmals lakonisch formulierten Sätzen die Relationen von Bild und Blick ausloten und zum Schwingen bringen. Vielmehr gibt sie einen umfassenden Einblick in den Kosmos der Reflexion, den das Werk entfaltet - begonnen mit den zwischen 1963 und 1968 entstandenen ‹27 perzeptiven Skizzen eines Bildes›, einer komplexen Folge von Diagrammen und Notizen, über die Rémy Zaugg Paul Cézannes ‹La maison du pendu›, 1873, erschliesst.
Ein Werk, das sich einerseits auch formal durchaus präzis in die internationale Entwicklung konzeptionell angelegter Kunst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts einordnen lässt. Andererseits aber in seinen grundlegenden Reflexionen, seiner Beharrlichkeit beinahe zeitlos wirken kann - und gerade in der Überschau auch seinen Eigensinn zeigt.
Hierzu gehört nicht zuletzt die immer wieder neu und anders orchestrierte Spannung zwischen dem, was sich als formaler Minimalismus fast schon spröde jeglichem Enthusiasmus für das Malerische der Malerei entgegenzustellen scheint, und einem substanziellen Sinn für die Sinnlichkeit des Materials, des Bildträgers, der Farbe, der Faktur und der Komposition. Die ‹27 perzeptiven Skizzen› im Sinn durchschreitet man die Schau und mit ihr das Werk eines Malers, der in seinem lebenslangen Zweifeln über die Frage der Wahrnehmung Cézanne wirklich verstanden hat.
Vertiefen lassen sich die Perspektiven im begleitenden Katalogbuch, das neben Essays zum Werk auch eine Auswahl von Texten des Künstlers umfasst - lohnende Lektüren, die gespannt machen auf die Gesammelten Schriften, Vorträge und Interviews, deren mehrbändige Edition gerade vorbereitet wird.

Bis: 28.08.2016


Rémy Zaugg. Die Frage der Wahrnehmung›, Hg. Javier Hontoria & Eva Schmidt, Snoeck Köln, 2015



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Ausgabe 3  2016
Ausstellungen Rémy Zaugg [31.03.16-28.08.16]
Ausstellungen Rémy Zaugg [01.11.15-06.03.16]
Institutionen Palacio Velázquez [Madrid/Spanien]
Institutionen Museum für Gegenwartskunst [Siegen/Deutschland]
Autor/in Verena Kuni
Künstler/in Rémy Zaugg
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