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Hinweis
3.2016




Winterthur : Im Nirvana


von: Thomas Schlup

  
links: Olivier Schawalder · Les Tricophiles, 2013, Ausstellungsansicht Gewerbemuseum Winterthur. Foto: Michael Lio
rechts: Caro Suerkemper · Untitled, 2012, Keramik, Ausstellungsansicht Gewerbemuseum Winterthur ©ProLitteris. Foto: Michael Lio


‹Erotik›, oder das, was uns die vielen omnipräsenten Bilder darüber vorgaukeln, begleitet uns auf Schritt und Tritt. Der öffentliche Raum ist voller erotisch aufgeladener Bilder für kommerzielle Zwecke, und dank unentwegter Wiederholung setzen sich die auswechselbaren Botschaften in den Köpfen fest. Mit ‹Nirvana - Wundersame Formen der Lust› setzt das Gewerbemuseum in seinen dafür abgedunkelten Räumen dieser Uniformität die Lust am Spiel und an der Auslotung verborgener Leidenschaften entgegen. Die zuvor im ‹mudac› in Lausanne gezeigte Ausstellung wird aber nie billig. Die verwendeten Materialien der gut 200 Exponate sind durchwegs hochwertig, deren Präsentation ist gelungen. Caro Suerkemper (*1964) stellt eine grosse weisse Vase mit blauen Bildern in den Raum: Oh, chinesische Ming-Dynasie? Nein, bei näherem Hinsehen über und über bemalt mit erotischen Vignetten. David Baskin zeigt mit ‹Still Life (Cosmetic Bottles)› handelsübliche, aber fleischfarbene Kosmetikverpackungen. Die Flasche des Duschgels ist fein genoppt. Und die Roll-on-Deos mit den grossen kugelförmigen Köpfen... «honi soit qui mal y pense». Die amerikanische Schmuckdesignerin Betony Vernon (*1968), der britische Designer Mark Woods (*1961) und die slowenische Designerin Nika Zupanc (*1974) erhielten für diese Ausstellung je eine Carte blanche. Vernon hat mit ‹Le Tem­ple› einen zartrosa Altarraum kreiert, mit dem Organic Chair in der Mitte und hochglanzsilbrigem erotischem Spielzeug, säuberlich platziert in Vitrinen, als diente es sakralen Handlungen. Drei Bleistiftzeichnungen von François Ber­thoud (*1961) können als Votivtafeln durchgehen. Taktiles kommt hingegen zu kurz. Man darf sich nirgends setzen, weder auf den Haarsessel noch auf das Schaffell-gepolsterte Orgiensofa. Berührt werden darf auch nichts, selbst wenn die Hände kribbelig werden; ausprobiert schon gar nicht - aber das würde vielleicht etwas weit führen. Hingegen darf ausgiebig geschnuppert werden. Wie duftet ‹Verführung›? Eine Auswahl an Parfums von stark bis zart ist bereit, es gibt auch Duftglocken mit Mustern von Ambra bis zu Seide und Leder. ‹Der Duft der Materialien› ist eine Sonderpräsentation, deren Fortsetzung in den 2. Stock hinauf lockt. Das Winterthurer Kino Cameo zeigt in einer begleitenden Film­reihe ‹echte und falsche Blondinen›.

Bis: 14.03.2016


Filmreihe im Kino Cameo, bis 14. 3.



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Ausgabe 3  2016
Ausstellungen Nirvana [29.11.15-08.05.16]
Institutionen Gewerbemuseum [Winterthur/Schweiz]
Autor/in Thomas Schlup
Link http://www.kinocameo.ch
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