Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Hinweis
4.2016




Basel : Marina Pinsky


von: Remo Bitzi

  
links: Marina Pinsky · Landscape (Pharmakon I-XXIV), 2014-15, Installationsansicht Kunst­halle Basel. Foto: Philipp Hänger
rechts: Marina Pinsky · Dyed Channel, 2016, Installationsansicht Kunsthalle Basel. Foto: Philipp Hänger


Betritt man die Kunsthalle Basel mit einem grippalen Infekt, fühlt man sich zuerst einmal: am richtigen Ort. Im ersten der fünf Räume der Ausstellung ‹Dyed Channel› wird man nämlich von 24 willkürlich arrangierten Skulpturen erwartet, die an übergrosse Tabletten samt Verpackungen erinnern. Das Erlebnis ist ein surreales: Man glaubt sich in jene Pultschublade versetzt, die man Anfang Winter präventiv mit Pharmazeutika jeglicher Art ausstattete - etwas Schleimlösendes, etwas Fiebersenkendes, etwas Wachmachendes. In Gedanken fragt man sich unmittelbar, ob die Alufolie auf der Rückseite der Durchdrückpackungen etwa lauter reisst als die ihrer kleineren Vorbilder. Doch Contenance! Es handelt sich in Wirklichkeit nicht um Muntermacher, sondern um Skulpturen der in Belgien lebenden russischen Künstlerin Marina Pinsky (*1986). Nebst der Grösse verweisen auch die Prägungen auf den Tabletten auf einen weiteren Kontext: Nicht die Logos der Pharmaunternehmen werden da angedeutet, sondern Architekturlandschaften, die nicht selten von ebendiesen Firmen hervorgebracht werden.
In den weiteren Räumen der Kunsthalle führt Pinsky aus der vermeintlichen Pultschub­lade nach draussen: Sie gewährt fotografische Ausblicke aus ihrem Brüsseler Atelier, macht anhand verschiedener Skulpturen weiter über die Pharmaindustrie nachdenken, legt in Basel entstandene Rechercheaufnahmen offen, lässt in den Rhein abtauchen oder im letzten Raum mit Blick zur Decke an den Bauch einer Concorde hochschauen. Für quasi jedes Werk in der Schau - es ist Pinskys erste in der Schweiz und auch die erste in dieser Grössenordnung - erzwingt die in Moskau geborene Künstlerin einen Perspektivenwechsel. Die eigene Perspektive indes ist auf Offenkundiges gerichtet - das wird zumindest da deutlich, wo Pinsky auf die Stadt Basel fokussiert. Hier birgt die Themenwahl für Stadtkundige wenig Unerwartetes: Pharmaindustrie, Architektur, der Rhein.
Was jedoch in jedem Fall überrascht, ist das Skulpturale von Pinskys Fotografien bzw. das Fotografische ihrer Skulpturen: Einerseits erzeugen ihre zweidimensionalen Arbeiten mit übereinandergeschichteten Bildern unterschiedlicher zeitlicher und/oder geografischer Herkunft oft eine ungewohnte Räumlichkeit. Andererseits fühlt man sich beim Betrachten ihrer dreidimensionalen Werke in ein Bild versetzt - wie etwa in das der Pultschublade, das beim Betreten des ersten Raums vor dem geistigen Auge erschien.

Bis: 10.04.2016


Dieser Text entstand im Rahmen eines Mentoringprojekts des Kunstbulletins mit dem Master Kulturpublizistik der Zürcher Hochschule der Künste.



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 4  2016
Ausstellungen Marina Pinsky [22.01.16-10.04.16]
Institutionen Kunsthalle Basel [Basel/Schweiz]
Autor/in Remo Bitzi
Künstler/in Marina Pinsky
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=160316160021RR8-24
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.