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4.2016




Basel/Riehen : Jean Dubuffet


von: Hans-Dieter Fronz

  
Jean Dubuffet · Coucou Bazar, 1972-1973, Installationsansicht, Collection Fondation Dubuffet, Paris ProLitteris. Foto: Les Arts Décoratifs, Paris/Luc Boegly


Spät erst reifte der Entschluss in ihm, sich ganz der Malerei zu widmen. 1942 war das, doch die Karriere, die der Autodidakt dann hinlegte, war atemberaubend. Anfang der Fünfzigerjahre gab es eine erste Retrospek­tive in Paris, zehn Jahre später im Museum of Modern Art in New York. Bis heute ist Jean Dubuffets (1901-1985) Strahlkraft ungebrochen - verwunderlich ist eigentlich nur, dass es die umfangreiche Ausstellung, die ihm die Fonda­tion Beyeler widmet, nicht bereits früher gab. Ist Dubuffet in der Sammlung Beyeler doch bestens vertreten und verband ihn mit Ernst Beyeler eine rege Zusammenarbeit. Rund 750 Werke des Künstlers verkaufte er in seiner Basler Galerie.
‹Jean Dubuffet - Metamorphosen der Landschaft› ist die Schau mit mehr als einhundert Werken aus allen Schaffensphasen überschrieben. In der Tat: Das Motiv der Landschaft durchzieht Dubuffets Œuvre. Das menschliche Antlitz, der Körper oder Gegenstände wie Tische - alles kann bei Dubuffet zur Landschaft werden. Gesichter werden zu miniaturisierten Landschaften ebenso wie die unförmig-nackten Leiber der Frauen im Werkzyklus ‹Corps de dames›. Seine Porträts von Freunden und Bekannten - Grössen des Pariser Geisteslebens wie Francis Ponge oder Henri Michaux - muten wie Kinderzeichnungen an. Die authentische Kunst, nach der er strebte, war für ihn immer dort zu finden, wo man sie am wenigsten vermutete: abseits ästhetischer Normen und Konventionen, mit denen er denn auch radikal brach. In der Serie ‹Hautes Pâtes› gewinnt die Farbmaterie an Bedeutung; vermischt mit Lehm oder Kohlestaub, modelliert Dubuffet sie pastos auf der Leinwand.
In den ‹Petites Statues de la vie précaire› löst sich seine Kunst von der Leinwand und wird dreidimensional. Aus Schwämmen, Lava, Holzkohle oder Schlacke entstehen skurrile Figuren wie ‹Le Viandot› oder ‹Madame j'ordonne›. Mit seinen Collagen aus Schmetterlingsflügeln kehrt Dubuffet dann in die Fläche zurück.
In den ‹Topographies› und ‹Exturologies› wird Landschaft abstrakt; in der Werkgruppe ‹Paris Circus‹ urban; in den ‹Mires› und ‹Non-Lieux› mutiert sie zu Chiffren des Mentalen. Der umfangreiche Werkzyklus ‹L'Hourloupe›, 1962-1974, verzahnt linear umrandete Formen miteinander wie die Teile eines Puzzles. Eines dieser Werke, die raumgreifende Installation ‹Coucou Bazar› - ein Gesamtkunstwerk aus Malerei und Skulptur, Theater, Tanz und Musik - sprengt nahezu die Dimensionen der grossen Halle.

Bis: 08.05.2016



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Ausgabe 4  2016
Ausstellungen J. Dubuffet: Metamorphosen der Landschaft [31.01.16-08.05.16]
Institutionen Fondation Beyeler [Basel/Riehen/Schweiz]
Autor/in Hans-Dieter Fronz
Künstler/in Jean Dubuffet
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