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Hinweis
4.2016




Basel/Riehen : Ambivalence of Dawn


von: Yvonne Ziegler

  
links: Mika Taanila · Futuro - a New Stange Form tomorrow, Film 1998
rechts: Angela Cerullo & Giorgio Bloch · ...there's always one too many arms, 2015, mixed media, Masse variabel, Kunsthalle Basel


Vor dreissig Jahren wurde der Glaube an die technischen Zukunftsverheis­sungen durch zwei Ereignisse tief erschüttert: den Reaktorunfall in Tschernobyl und den Absturz der Raumfähre Challenger. Nicolas Kerksiecks Riehener Ausstellung nimmt dies zum Anlass, Werke aus der Zeit des ungetrübten Fortschrittglaubens mit denen junger Künstler/innen zu verschränken, welche die Ambivalenz von Utopien reflektieren. In einem 1998 entstandenen Film zeigt Mika Taanila (*1965, Finnland) den Bau, die begeisterten Reportagen und die heutigen Zustände des UFO-ähnlichen Zukunftshauses ‹Futuro› des finnischen Architekten Matti Suuronen. Dieses entstand ein Jahr vor der Mondlandung, also zu jenem Zeitpunkt, als der Mensch erstmals mit eigenen Augen auf die Erde blicken konnte. Diesen Perspektivenwechsel will die Künstlergruppe Copenhagen Suborbitals jedem ermöglichen und arbeitet deshalb an einer Rakete, mit der ein einzelner Mensch für zehn Minuten in den Suborbit fliegen kann. Vergrösserte, direkt auf die Wand tapezierte Faksimiles der Handskizzen veranschaulichen ihre Konzepte. 1941 schuf Konrad Zuse (1910-1995) den ersten funktionsfähigen Computer der Welt. Sein Glaube an eine positive Zukunft ist in seinen Ölgemälden sichtbar, die transparente Glas-Licht-Architekturen zeigen, stilgeschichtlich aus der Zeit gefallene Bilder eines Wissenschaftlers. Zwischen diesen zukunftsgläubigen Positionen befinden sich fragile Installationen aus Brettern, Karton und Plexiglas sowie Video- und Audioelemente von Angela Cerullo (*1982) und Giorgio Bloch (*1981). Das Schweizer Duo hat von Kerksieck Carte Blanche für seine installativen fragilen Interventionen erhalten, welche die Unbeständigkeit unserer Glaubenshaltungen und Weltanschauungen vergegenwärtigen. Dazu gesellen sich zwei weitere Positionen: Manuel Schneider (*1991 Schweiz) setzt Zuses Gemälden eine gläserne Vitrine entgegen, in der ein Experiment zu laufen scheint, ergänzt um ein psychotherapeutisches Setting ohne Protagonisten. Erklärungsversuche laufen hier ins Leere. Und schliesslich präsentiert Aida Kidane (*1971, Eritrea) ein Sideboard mit Gitterstruktur. Dieses nimmt die futuristische Formensprache einer in den Dreissigerjahren in Asmara gebauten Tankstelle auf und rückt damit ins Bewusstsein, dass Eritrea damals für italienische Architekten ein Experimentierfeld für zukünftiges Bauen war.

Bis: 24.04.2016


Führung, 10.4., 11 Uhr



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Ausgabe 4  2016
Ausstellungen Ambivalence of Dawn - Vom Prinzip der Verheissung [19.03.16-24.04.16]
Institutionen Kunst Raum Riehen [Basel/Riehen/Schweiz]
Autor/in Yvonne Ziegler
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