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4.2016




Kassel : Images


von: Anne-Kathrin Auel

  
Pierre Huyghe · I Do Not Own Snow White, 2005, Neonröhren, 185 x 487 cm, Courtesy Marian Goodman Gallery, NY ©ProLitteris. Foto: Nicolas Wefers


Weisse Schäfchenwolken ziehen über hellblauen Grund - sonst ist in der Projektion nichts zu sehen. Dennoch erinnert sie unmittelbar an das Videospiel ‹Super Mario Bros.› Durch einen Hack hat Cory Arcangel in ‹Super Mario Clouds›, 2002, Protagonist/innen und Details verbannt. Es bleiben nur noch Wolken.
Was die Künstlerin mit Reduktion erreicht, beschreibt Kuratorin Susanne Pfeffer für die in der Ausstellung ‹Images› im Fridericianum zusammengeführten Arbeiten als «konzentriertes Innehalten»: Dem Strom der Bilder sieht sie retardierende Momente entgegengesetzt. «Images» schliessen, im Gegensatz zum Begriff «picture», auch Vorstellungsbilder ein. Auf diesen Bedeutungsunterschied weist die Kuratorin mit Pierre Huyghes ‹I Do Not Own Snow White›, 2005, hin. Das materielle Bild besteht aus seinem in Neonröhren dargestellten Titel, der unterschiedliche innere Bilder aktiviert. Das Werk ist gelungener Auftakt der Schau und passt auch gut zum Ort: Die Brüder Grimm arbeiteten in der hessischen Landesbibliothek im Fridericianum und zeichneten nebenbei Märchen auf. Schneewittchen war nicht ihr geistiges Eigentum, doch sie haben das Bild der zuvor mündlich überlieferten Figur geprägt.
Die Schau, die neben Huyghe mit Trisha Donnelly und Seth Price unter anderem zwei weitere Künstler/innen der letzten documenta zeigt, vermittelt, dass Kunstwerke keine ursprünglichen Bildschöpfungen mehr sein müssen. Vermehrt sind es Variationen aus vorhandenen Bildern, die bezüglich ihrer Herkunft keiner Hierarchie unterliegen. Es ist demnach folgerichtig, dass die Schau mit Videoarbeiten von Elaine Sturtevant endet. Bereits mit ihren Wiederholungen von Ikonen der Kunstgeschichte hinterfragte sie, ohne selbst einen grossen zeitlichen Abstand zum Originalwerk zu haben, künstlerische Originalität. Die vor zwei Jahren verstorbene Künstlerin wendete sich in den Neunzigerjahren Fernsehen und Internet zu. Von ihr sind Monitorarbeiten sowie eine geloopte Projektion in der Rotunde zu sehen. Die Ausstellung wirft grundsätzliche Fragen auf: Welche Bilder machen Institutionen zukünftig zugänglich? Wie unterscheiden sich diese Bilder von denen, die uns alltäglich umgeben?
Aussenminister Frank-Walter Steinmeier hat im Dezember 2015 Susanne Pfeffer als Kuratorin des offiziellen deutschen Beitrags für die 57. Biennale di Venezia 2017 berufen. Aus diesem Grund besuchte er Mitte Februar ihre aktuelle Ausstellung. Danach erklärte er, Pfeffer stehe «für grenzüberschreitende kulturelle Koproduktion und einen weiten Blick auf die Welt, der die bewegenden Momente von Gesellschaften in die kulturelle Arbeit mit einbezieht. Dies sind auch Kernanliegen einer modernen auswärtigen Kulturpolitik, die sich entfernt von der Repräsentation von Staatlichkeit, die Koproduktion von Bildung, Wissen und Kultur zu ihrem Schwerpunkt macht und dadurch die Trennung von Innen und Aussen zu überwinden hilft.» Ein passender Kommentar zu dieser Schau!

Bis: 01.05.2016



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Ausgabe 4  2016
Ausstellungen Images (C. Arcangel, T. Donnelly, W. Guyton u.a. [31.01.16-01.05.16]
Institutionen Kunsthalle Fridericianum [Kassel/Deutschland]
Autor/in Anne-Kathrin Auel
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