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4.2016




Mulhouse : Jérémie Gindre


von: Yvonne Ziegler

  
links: Gérémie Gindre · Camp, 2016, Ausstellungs­ansicht Kunsthalle Mulhouse ©ProLitteris
rechts: Gérémie Gindre · Camp, 2016, Ausstellungs­ansicht Kunsthalle Mulhouse ©ProLitteris


Unsere Wege durch die Natur sind vorbestimmt und von Bequemlichkeiten geprägt, wie Jérémie Gindre (*1978, Genf) auf vergnügliche Weise in der Kunsthalle Mulhouse deutlich macht. Gleich zu Beginn begegnet man einem plätschernden Brunnen in Form eines ausgehöhlten Baumstamms mit Brunnenrohr und Abfluss. Was im Wald naturnah wirkt, sticht im White Cube als anbiedernder rustikaler Kitsch ins Auge. Nicht weit davon hängen einfache schematische Zeichnungen, die verschiedene Blicke auf einen Flusslauf zu illustrieren scheinen. Wir sehen den Austritt aus einer Höhle, einen kleinen Wasserfall, vom Wasser umspülte Felsen etc. Vorlage war jedoch keine reale Flusslandschaft, sondern Abbildungen aus Tim-und-Struppi-Comics, bei denen Gindre die Personen wegretouchierte. Die Übernahme von Vorgefundenem ist Prinzip. Neben Comics sind ornithologische, botanische und geografische Bücher - allesamt Medien der Naturdarstellung und -rekonstruktion - Ausgangspunkt seiner Reflexionen zu Umgang, Klassifikation und wissenschaftlicher Durchbringung der Natur. Dabei fasziniert ihn vor allem das Kuriose. Etwa die Tatsache, wie der Mensch auf die Idee kam, mit Steinmauern Bereiche abzugrenzen. Und welche Konstruktionen dann errichtet wurden, um über die Mauern zu gelangen. Neben mehreren Möglichkeiten skizziert Gindre auch die einfachste Lösung: ­eine zerbröselte Mauer. Seine Zeichnungen sind zumeist kleine Serien, in denen eine Zeichnung etwas aus der Rolle fällt: So etwa findet sich zwischen verschiedenen Darstellungsweisen von Erdrutschen eine abstrakt-ornamentale Form. Im hinteren Saal nimmt Gindre weitere Lebenshilfen ins Visier: die Brücke, die über unwegsames Gelände führt, eine massive Bank zum Ausruhen und In-die-Ferne-Blicken sowie ein Wegzeichen zur Orientierung. So ist unsere Welt nun mal strukturiert. Die Objekte sind stets in rustikalem Stil gehalten. Ergänzt werden Gindres Reflexionen durch weisse Leinwände, auf die der Künstler den Text einer Buchseite mit Tusche übertragen hat. Die Geschichten erzählen von Geschehnissen im Wald und sie stammen aus eigenen oder gefundenen Büchern. Denn Gindre wandert, beobachtet, fotografiert und zeichnet nicht nur, sondern schreibt auch, wobei sich bildnerische und textliche Werke gegenseitig befruchten. Die ausgestellten Arbeiten wirken kühl, besitzen jedoch einen gewissen Witz. Wer leidenschaftlichere Bekenntnisse zur Natur sucht, findet sie in seinen Büchern.

Bis: 08.05.2016


Camp, Jérémie Gindre, Catalogue



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Ausgabe 4  2016
Ausstellungen Jérémie Gindre [11.02.16-08.05.16]
Institutionen La Kunsthalle [Mulhouse/Frankreich]
Autor/in Yvonne Ziegler
Künstler/in Jérémie Gindre
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