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4.2016




Zürich : Thomas Hirschhorn


von: Mathis Neuhaus

  
links: Thomas Hirschhorn · A Ruin is a Ruin, 2016, Poster, Collage auf Karton, Courtesy Galerie Susanna Kulli, Zürich ©ProLitteris
rechts: Thomas Hirschhorn · A Ruin is a Ruin, 2016, Installationsansicht Galerie Susanna Kulli, Zürich ©ProLitteris. Foto: Niklaus Spoerri


Thomas Hirschhorn (*1957, Bern) erfindet sich neu. Diesen ersten Eindruck könnte ein Besuch der Ausstellung ‹A Ruin is a Ruin› in der Galerie Susanna Kulli erwecken. Der Künstler, bekannt für seine überbordenden und materialaufwendigen Installationen, zeigt sich in Zürich zurückhaltend: Das Fischgrätenparkett des Ausstellungsraums ist nach wie vor gut sichtbar und die zehn präsentierten «Poster» auf braunem Karton sind ordentlich nebeneinander an die Wände gehängt. Sie korrespondieren farblich sogar mit dem edlen Holzboden, eine für den Künstler ungewohnt angepasst wirkende Präsentationsform.
Die intensivere Auseinandersetzung mit den Arbeiten zeigt jedoch, dass Hirschhorn seinen künstlerischen Prinzipien treu geblieben ist und sich lediglich den Gegebenheiten einer Galerieausstellung angepasst hat; grossformatige Poster sind vermutlich einfacher zu verkaufen als kleinteilige und ortsspezifische Installationen. Doch auch wenn man die gewählte Präsentationsform nicht direkt mit dem Künstler assoziiert, greift Hirschhorn hier auf seine gewohnte Technik der Collage zurück und nähert sich so dem Thema der Ruine.
Die gezeigten Collagen kombinieren Abbildungen von grossen und kleinen, alten und neuen Ruinen. Unterschiedliche Epochen und Typologien werden miteinander in Bezug gesetzt, auf ein Poster schreibt Thomas Hirschhorn den Hinweis: «Ruins of the Sea». Auf dem Poster daneben liest man den Ausstellungstitel und die zentrale Behauptung des Künstlers: «A Ruin is a Ruin». Es handelt sich um universelle und zeitlose Bauten, ihrer ursprünglichen Funktion beraubt und nur noch als - genau - Ruine sichtbar. Und doch verweist die Ruine bei genauerer Betrachtung immer auch auf die Frage, warum sie eine Ruine ist, welche historischen Gegebenheiten ein Bauwerk in diesen Zustand geführt haben. Der Künstler übergibt die Aufgabe der Decodierung dem Publikum und legt in dem von ihm verfassten Pressetext lediglich Fährten. Korruption, ökonomischer Zusammenbruch oder Bombenangriff sind da als mögliche Gründe aufgeführt und zeigen: Hirschhorn stellt auch bei Susanna Kulli die seinem Werk eigenen Fragen nach der moralischen Verantwortung, dem Politischen, dem Philosophischen oder dem ästhetischen Wert.

Bis: 31.03.2016


Dieser Text entstand im Rahmen eines Mentoringprojekts des Kunstbulletins mit dem Master Kulturpublizistik der Zürcher Hochschule der Künste.



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Ausgabe 4  2016
Ausstellungen Thomas Hirschhorn [28.02.16-31.03.16]
Institutionen Susanna Kulli [Zürich/Schweiz]
Autor/in Mathis Neuhaus
Künstler/in Thomas Hirschhorn
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