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Hinweis
4.2016




Zürich : Federica Gärtner - Georgette Maag - Mira O'Brien


von: Lucia Angela Cavegn

  
links: Georgette Maag · Wandernde Ecke 1-4, 2014, Graphit und Leinöl auf Papier, 105x145 cm (ganze Installation)
rechts: Federica Gärtner · Orte 16., 2014, Farbstift auf Papier, 90,5x128 cm


Dem Medium der Zeichnung haftet etwas Unaufdringliches und Flüchtiges an. So verkörpert der Träger Papier das Gegenteil von Dauerhaftigkeit und dem zeichnerischen Strich haftet der Charakter des Handschriftlichen und Authentischen an. Bei Schwarzweisszeichnungen kommt die farbliche Reduktion hinzu. In Bezug auf Intimität und Hermetik sind Zeichnungen der Lyrik verwandt. Mit Federica Gärtner (*1949), Georgette Maag (*1955) und Mira O'Brien (*1983) zeigt das Lokal 14 zum zweiten Mal seit seiner Gründung im Jahr 2012 eine Gruppenausstellung zum Thema Zeichnung. Odilon Redon bezeichnete Schwarz als «geistige Kraft». Wer den aus zwölf Zeichnungen bestehenden Turm ‹en construccìon /under construction›, 2014, von Georgette Maag sieht, erlebt Schwarz nicht nur als Farbe, sondern ebenso als sinnliche Materie. Die Zürcherin, die vor allem als Foto- und Videokünstlerin bekannt ist, arbeitet mit Graphitpigmenten, die sie in Leinöl gebunden auf dickes Papier aufträgt. Das Leinöl verleiht der Bildfläche nicht nur ein pergamentenes Erscheinungsbild, sondern verstärkt den Glanz der Graphitfelder, die in spannungsvollem Kontrast zu den ausgesparten Flächen stehen. Die einzelnen Blätter, die mitunter auch Schuhabdrücke aufweisen, schichtet die Künstlerin zu architektonisch anmutenden Gebilden, die an Fensterfronten oder Stadtlandschaften erinnern.
Federica Gärtner zeigt acht Arbeiten aus ihrer Serie ‹Orte›, 2013-2015, der auf Reisen aufgenommene Fotografien von Gitterstrukturen und Zäunen zugrunde liegen. Die abgelichteten Objekte überträgt sie - die Umgebung weglassend - mit Farbstift auf 90,5x128 cm grosse Blätter. Übrig bleiben die unterschiedlichen grafischen Muster der raumtrennenden Schranken, die indirekt auf das Thema ‹Aus- bzw. Eingrenzung› anspielen und diesbezüglich mit den Werken von Mira O'Brien verwandt sind. Auch die in New York geborene, heute in Berlin lebende Künstlerin befasst sich mit (durchbrochenen) Zäunen als Ordnungsstrukturen. Ihr Zyklus ‹Imperfect Barriers›, 2014-2015, umfasst grossformatige Arbeiten auf Papier (Wasserfarbe, Tusche und Gouache) sowie in der Grösse variable Installationen aus Glas, Holz, Plastik und weiteren Materialien. Für das nächste Jahr plant Michael Nitsch, Urheber und Leiter von Lokal 14, eine weitere Zeichnungsausstellung. Ansonsten hat sich der selbstfinanzierte Ausstellungsraum auf die Präsentation von Schweizer Kunst abseits des Mainstreams spezialisiert.

Bis: 30.04.2016



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Ausgabe 4  2016
Ausstellungen Federica Gärtner, Georgette Maag, Mira O'Brien [02.04.16-30.04.16]
Institutionen Lokal 14/Michael Nitsch [Zürich/Schweiz]
Autor/in Lucia Angela Cavegn
Künstler/in Federica Gärtner
Künstler/in Georgette Maag
Künstler/in Mira O'Brien
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