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4.2016




Zürich : Elizabeth Murray


von: Katharina Holderegger Rossier

  
links: Elizabeth Murray · When the House is Quiet, Austellungsansicht Galerie Maria Bernheim, Zürich, 2016. Foto: Annick Wetter
rechts: Elizabeth Murray · When the House is Quiet, Ausstellungsansicht Galerie Maria Bernheim, Zürich, 2016. Foto: Annick Wetter


Die frisch in Zürich tätige Pariser Galeristin Maria Bernheim hat dem Genfer Kurator Samuel Gross für die zweite Ausstellung in ihrem Räumen über Eck zwischen Limmatstras­se und Viaduktstrasse Carte Blanche gegeben. Dieser hat sich für die kleine Galerie gleich ein grosses Projekt vorgenommen, nämlich die Organisation der ersten europäischen Soloschau zu Ehren der amerikanischen Malerin Elizabeth Murray (1940-2007). Die in den Vereinigten Staaten weitherum gezeigte und 2006 sogar im MOMA präsentierte Künstlerin kommt jetzt zwar mit nur je einer Handvoll Leinwänden und Papierarbeiten auf leisen Sohlen bei uns an, tritt dafür aber im Rahmen einer besonders stimmigen Inszenierung auf. So sehen in diesen noch winterlichen Abenden die in beiden Haupträumen der Galerie ausgestellten Gemälde von Murray schon von Weitem so aus, als wollten sie aus den erleuchteten Vitrinen in die schummrigen Strassen hüpfen. Damit entfalten die Werke der leider verfrüht an Krebs verstorbenen Künstlerin auch auf Distanz ihren unbändigen Schwung, mit dem diese sie aufzuladen vermochte.
Für das 1967 von Chicago nach New York gekommene «Abstract Expressionism Girl» sollte die dann folgende Entdeckung von Warhol, Lichtenstein und Oldenburg zu einem Schlüsselerlebnis werden. Obschon sie weiterhin ausgesprochen gestisch und nuanciert malte, begann sie, das geschlossene Bildviereck ein für alle mal hinter sich zu lassen und ihre Motive zunehmend in frei agierende Cartoons zu verwandeln. Wirklich anthropomorphe Züge sieht man jedoch selten. Vielmehr beginnt in den meisten Werken ein wilder Tanz zwischen den vielfältigsten organischen und geometrischen Formen. Doch auch häusliche Dinge wie Fenster, Leitern, Tische, Stühle und vor allem dampfende Teetassen treiben darin manchmal ihr Unwesen und erzeugen sich durchwirkende und umschlingende Bewegungen, die zu Metaphern für bewegliche, befruchtende sowie Nähe und Wärme erzeugende Begegnungen werden. Die Künstlerin hat dabei stets betont, dass sie durch ihre Rolle als Mutter von drei Kindern aus zwei Ehen teils zwar schwierige Konflikte durchlebt, die familiäre Fürsorge ihre Kunst letztlich aber auch offener, weiter und grosszügiger gemacht habe.
Es ist bewegend, wie sich in Murrays Werk die Passion einer Frau für ihre Kunst wie für ihr privates Leben mit der ausserordentlichen Vitalität eines kunsthistorischen Moments verbindet. Oder, um mit Samuel Gross zu sprechen, mit einer künstlerischen Bewegung, «in der sich die malerischen Praktiken, genährt von der rohen Energie von der Strasse und den Comics, neuen Raum- und Erzählsystemen zuwenden». Gross träumt schon, mit einer werkumspannenden Retrospektive in einer Institution nachzuziehen. Hoffen wir das Beste.

Bis: 02.04.2016



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Ausgabe 4  2016
Ausstellungen Elizabeth Murray [19.02.16-02.04.16]
Institutionen Galerie Maria Bernheim [Zürich/Schweiz]
Autor/in Katharina Holderegger Rossier
Künstler/in Elizabeth Murray
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