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4.2016




Bern : Wolfgang Breuer


von: Kate Whitebread

  
Wolfgang Breuer, Becher, Nudel, Martin Kippenberger, Nochmal Petra, 1987. Foto: Gunnar Meier


«Der Nudelauflauf ist am Ende der komplexere Wasserturm», kommentiert der Berliner Künstler Wolfgang Breuer (*1966, Augsburg) seine aktuelle Bilderserie in der Kunsthalle Bern. Eine Aussage, die wie der Titel der Ausstellung ‹Milka Rittersport› an einen kryptischen Witz erinnert, der zum Entschlüsseln einlädt. Die pastellfarbenen A4-Zeichnungen hängen auf den ersten Blick unspektakulär und brav im Passepartout mit Holzrahmen in allen Räumen der Kunsthalle. Daneben didaktisch anmutende Titelschildchen, die sich jeweils auf ein künstlerisches Referenzwerk beziehen: «Oben links Milka und unten rechts Ritter Sport. Martin Kippenberger, Political Corect III, Keine braune Schokolade, 1994». Anordnungen von Quadraten (Rittersport) und Rechtecken (Milka) übersetzen diese Werke in eine Form der Bildbetrachtung, die Breuer im ebenso kryptischen Text zur Ausstellung als «Party Inhalt» bezeichnet - womit in erster Linie die Formen und Rhythmen, das «Was und Wie» in einem Bild, gemeint sind. Diese scheinbar einfache Erklärung löst sich jedoch bei näherer Betrachtung auf: Die pädagogische Präsentation schrammt haarscharf am unerträglich Freundlichen vorbei, während sich die Bilder selbst jedem Entschlüsselungsversuch widersetzen. Verwirrende schwarze Kringel, eine beinah unlesbare Bubble-Schrift: Es kann sich das Gefühl einschleichen, in der Masse an Codes und Substitutionen dem Witz auf den Leim zu gehen. Jedoch nur wenn man darauf besteht, diesen zu entschlüsseln. Wie Diedrich Diederichsen - der im April in der Kunsthalle sprechen wird - über den HipHop sagt, ist die künstlerische Sprache Breuers «gleichzeitig explizit und hermetisch». Diese Ambivalenz als Kern der Ausstellung wird im grossen Saal als radikale Zweiteilung sichtbar: rechts Bilder an der Wand über einem Spannteppich mit dem ergrauten Charme eines Sitzungszimmers, links weisse Wände und nacktes Parkett. Ein weiteres Spiel der Anordnungen, das aber auch, wie es bei den von Valerie Knoll kuratierten Veranstaltungen inzwischen fast Programm zu sein scheint, zum Nachdenken über Überfülle und Leerstellen einlädt. Mit dem Hin- und Her zwischen den Nudelaufläufen (das Lieblingsgericht von Kippenberger) und Wassertürmen (eine Referenz auf Bernd und Hilla Becher) mag es schlussendlich so sein, wie der Künstler selbst andeutet - man checkt es, oder nicht. Und wenn nicht, versteht man es vielleicht trotzdem.

Bis: 03.04.2016


Vortrag Diederichsen 6.4, 18h
Dieser Text entstand im Rahmen eines Mentoringprojekts des Kunstbulletins mit dem Master Kulturpublizistik der Zürcher Hochschule der Künste.



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Ausgabe 4  2016
Ausstellungen Wolfgang Breuer [13.02.16-03.04.16]
Institutionen Kunsthalle Bern [Bern/Schweiz]
Autor/in Kate Whitebread
Künstler/in Wolfgang Breuer
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