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Besprechung
5.2016


Katharina Holderegger Rossier :  Die bereits international auftretende Künstlerin erzeugte bislang kein materielles Werk. Vielmehr schenkte sie programmatischen Arbeiten von anderen Kunstschaffenden unerwartete und aufrüttelnde Interpretationen. In ihrer Genfer Schau zum Manorpreis im Mamco bahnt sich nun Neues an.


Genève : Emilie Parendeau - Auf dem Weg zur Artikulation


  
Emilie Parendeau · ‹Ça m'inquiète toujours ces sirènes (Prix culturel Manor Genève 2016›, Aus­stellungsansicht. Foto: Annick Wetter


Alles ist doppeldeutig und janusköpfig an den Setzungen von Emilie Parendeau (*1980) in der Suite genevoise, einer Arbeit, die an Armleders Fluxus-Aktionen im elterlichen Hotel erinnert. Das Prinzip der Raumfolge wird durch eine Glaswand im mittleren Durchgang ebenso gestört wie gesteigert. Damit wird nicht nur eine Transformation im Werk der Künstlerin angedeutet. Auch das Mamco befindet sich in dieser vom jungen Konservator Paul Bernard gestemmten Saison in einer Übergangsphase zwischen den beiden Museumsleitern Christian Bernard und Lionel Bovier.
Ob man sich nun von rechts oder links her in die Schau vortastet, stösst man zunächst auf Parendeaus bekannte ‹Aktivationen› konzeptueller Kunst. Damit rollte sie das Problem der Filiation just von der Gegenseite einer radikalen Appropriation auf. Ihr unter dem Titel ‹A Louer› entwickelter Ansatz entsprang nicht zuletzt der ökonomischen Überlegung als junge Künstlerin: «Für wann, wo, wen schaffe und erhalte ich Kunst?». So versucht sie tatsächlich statt mit Anleihen bei anderen Kunstschaffenden eine neue Arbeit zu schaffen, bereits bestehende Werke neu zu bewohnen. Mit Ausnahme einer Reinszenierung der getünchten Mauer des «Gastgebers» (John Armleder) und des mit Zeitungen bedeckten Bodens des Lehrers (Luciano Fabro) greift sie in dieser Schau dabei wunderbar auf ikonische Werke des Mamcos zurück. So lädt sie die Würfel Filious, die dieser unter anderem in die Luft warf, wieder mit Energie auf, indem sie diese in Fischernetzen unter die Decke hängt. Oder sie ringt dem von Knoebel mit der Axt in ein Holzbrett geschlagene ‹Schlachtenbild›, 1991, eine unerwartete Zärtlichkeit ab, indem sie die unzähligen Reparaturstellen auf der Rückseite freilegt.
Von links stösst man zuletzt dann doch auf ein erstes, mit ‹Le clown, la sirène et le magicien› eloquent betiteltes Gemälde von Parendeau. Dieses ist allerdings (noch) in Karton verpackt und entzieht sich damit jeder Vorstellung. In der Gegenrichtung steht man auf der rechten Seite schliesslich vor einem etwa gleich grossen in die Wand gebrochenen Rechteck, das den Blick aus den dahinter liegenden Fenstern des Industriegebäudes freigibt. Auf dem in einer Ecke hängenden ‹Monochrome›, 2007, von Robert-Tissot steht zwar entspannt «on verra bien». Umso ungeduldiger erwarten wir, wie es mit dem durch diese beiden Arbeiten apodiktisch dem Bild und der Welt zugewandten Werk Parendeaus weiter gehen wird.

Bis: 01.05.2016



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Ausgabe 5  2016
Ausstellungen Émilie Parendeau, Bruno Pélassy, Marnie Weber [24.02.16-01.05.16]
Institutionen Mamco Genève [Genève/Schweiz]
Autor/in Katharina Holderegger Rossier
Künstler/in Émilie Parendeau
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