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Besprechung
5.2016


Nadine Wietlisbach :  In der Ausstellung im Kunstmuseum Luzern ‹Warum ich mich in eine Nachtigall verwandelt habe› laden die Werke von Katinka Bock, Fabian Marti und Hans Josephson zu einem Austausch über das skulpturale Schaffen dreier Generationen ein: Verbindendes Element ist die Präsenz des eigenen Körpers als Mass.


Luzern : K. Bock, H. Josephson, F. Marti - Haptische Ausweitungen


  
Katinka Bock · Seechamäleon, 2015, Terracotta; Farben dieses Meeres Balance (zweifach), 2014, Bronze Stahlkabel, Stahl, Stoff, Holz, Zitronen; Links Mittelmeer Rechts, 2016, Schlauch, Meerwasser, Ausstellungsansicht Kunstmuseum Luzern, Courtesy Galerie Jocelyn Wolff und Galerie Meyer Riegger. Foto: Marc Latzel


Der Auftakt zur Ausstellung im grossen Saal verweist auf einen möglichen Dialog zwischen den drei ästhetisch sehr unterschiedlichen Positionen. In allen weiteren Räumen entfalten sich die unterschiedlichen Sprachen getrennt: Im Gegensatz zur Präsentation im Arsenale an der Biennale Venedig, 2013, erhalten die kraftvollen Stehenden und Liegenden von Hans Josephson (*1920, Königsberg-2012, Zürich) im Kunstmuseum Luzern genügend Raum. Die kleinen als Studien entstandenen Reliefs ermöglichen Einblicke in den Prozess, wirken wie Skizzen und sind überraschende Kleinplastik zugleich. In diesen Studien entwickelte er die Figuren sowie die Verdichtungen der Materialmassen - immer erkennbar sind die Abdrücke seiner Hände, Finger, der Druck auf das Modelliermaterial.
Fabian Marti (*1979, Fribourg) bricht die kühle Ästhetik seiner Fotogramme, die in einer provisorischen Werkstatt im Museum entstanden sind, mit einem Video, das den Vorgang des Tätowiertwerdens zeigt. Der in die Haut des Vorderarms gestochene Oktopus - Martis Seelentier - verbindet als kulturgeschichtlich aufgeladenes Emblem die Abfolge der von Marti bespielten Räume. Als zweites, ebenfalls kunsthistorisch befrachtetes Motiv taucht auf einer Reihe von Fotogrammen ein Ei auf. Ob der schieren Menge, welche die Präsentation wie ein geschlossenes System wirken lässt, wird man dieser raumfüllenden Bilderreihung beinahe überdrüssig.
Katinka Bocks (*1976, Frankfurt/M) ausgeklügelte Setzungen in den anspruchsvolleren Räumen des Museums - unter anderem bespielt sie den Liftraum - überzeugen durch ihre manchmal zarte, teilweise raue Eleganz. Ihr Interesse gilt der Landschaft, der Stadt und jenen, die sie durch ihre Handlungen prägen. Die Verbindungen, die sie zum Aussenraum schafft, sind klug gewählt. Viele Arbeiten setzt Bock der Witterung aus, so auch eines der Tonelemente, das wie eine unfertige Kugel ein Gegengewicht zur Decke und den Metalldrähten, die daran befestigt sind, bildet. Der in der Werftanlage gefundene Mast teilt die Wand; ‹Pythagoras› vervollständigt das raumgreifende Mobile, das sich aufgrund der gewählten Materialien, wie etwa Zitronen, mit der Zeit verändert. Beim Durchschreiten der Räume entfalten sich zwischen den Werkgruppen dialogische Bezüge: Martis Werke entwickeln durch ihre technoid-spirituell anmutende Ästhetik in der Verbindung zu Josephsons massigen Bronzebergen eine überzeugende Spannung; Bocks Arbeiten erweitern das Spektrum durch reduziert poetische Erzählungen.

Bis: 29.05.2016



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Ausgabe 5  2016
Ausstellungen Katinka Bock, Hans Josephsohn, Fabian Marti [27.02.16-29.05.16]
Video Video
Institutionen Kunstmuseum Luzern [Luzern/Schweiz]
Autor/in Nadine Wietlisbach
Künstler/in Katinka Bock
Künstler/in Hans Josephsohn
Künstler/in Fabian Marti
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