Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Besprechung
5.2016


Daniela Hardmeier :  Dass das Fernsehen unsere Sehgewohnheiten verändert hat, ist ein Allgemeinplatz. Was Künstler/innen aus dem Medium machen, das zeigt aktuell das Kunstmuseum Vaduz. Es schlägt ­einen Bogen aus den frühen Sechzigern bis in die Gegenwart und zeichnet so die Veränderung unserer visuellen Kultur nach.


Vaduz : TeleGen - Kunst und Fernsehen


  
links: TeleGen · Ausstellungsansicht mit Werken von u.a. Günther Ueker und Nam June Paik. Foto: Ines Agostinelli
rechts: Ausstellungsansicht mit Werken von u.a. von Mischa Kuball, Ulrich Polster, Julian Rosefeldt. Foto: Ines Agostinelli


Noch bevor man die Ausstellung richtig betreten hat, steht man bereits gebannt vor einem Schlüsselwerk der frühen «Fernseh»-Kunst, dem wandfüllend inszenierten Film ‹Report›, 1967, von Bruce Conner, der Fernsehsequenzen in übersteigerter Dramatik zusammenfügte und so das sich vor laufender Kamera ereignende Attentat auf JFK zeigt. Hinter dieser Wand tut sich ein Raum auf voller Ikonen aus der frühen Zeit, in der Fernsehen zum Massenmedium wurde und Einzug in die Kunst hielt. Als Einstieg in die Ausstellung gedacht, versammelt dieser nur fünf Jahre umspannende Raum die stärksten Werke der gesamten Schau. Hier steht der erste von Günther Ücker mit Nägeln malträtierte Fernseher, der einzige Mitschnitt des Experimental-Musikstücks ‹Water Walk› von John Cage, das dieser 1959 (!) in einer amerikanischen TV-Show aufführte, oder auch ein Teil der Werke, die Nam June Paik in der legendären Ausstellung ‹Exposition of Music› 1963 in der Galerie Parnass in Wuppertal zeigte, die als Startpunkt für die nachfolgende Videokunst gilt. Diese frühen Werke zeigen eindringlich, dass die Künstler der Sechzigerjahre nicht einfach die Bilder des Fernsehers einsetzten, sondern vielmehr das Medium als solches und seine gesellschaftliche Bedeutung hinterfragen und künstlerisch verändern wollten.
Seltsam blutleer und handzahm kommt danach ein Gutteil der weiteren Werke der Ausstellung daher, es fehlt ihnen die unbedingte Dringlichkeit und Ausstrahlung jener frühen Arbeiten. Geordnet nach Themen wie ‹News›, ‹TV-Victims› oder ‹Das elektronische Lagerfeuer› sieht man sich einer medialen Vielfalt gegenüber, die nur teilweise die Thesen der Kuratoren - die Auflösung des ehemals monolithischen Mediums, das «Prinzip Fernsehen» als Instrument der Weltkonstruktion, als Denkraum und gesellschaftlicher Sinnstiftungsapparat - einzulösen vermögen und häufig immer noch von der schieren Bildmacht leben. Dazu trägt auch die Architektur bei, die in Bonn um den zentralen historischen Teil gruppiert war, sich hier jedoch als eine Raumabfolge präsentiert und ermüdet. Entdeckungen gibt es dennoch, so den wunderbaren Found-Footage-Film ‹Ein Tag im Leben der Endverbraucher›, 1993, in dem Harun Farocki aus Werbeclips einen ganzen Tagesablauf zusammenschneidet. Oder die beklemmende Installation von Ulrich Polster, der ‹Tagesschau›-Beiträge über die Jugoslawienkriege 1991-95 auf sieben Bildschirmen montiert. Entstanden ist eine Schau, deren Besuch trotz fraglicher Aspekte lohnenswert ist.

Bis: 16.05.2016



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 5  2016
Ausstellungen TeleGen. Kunst und Fernsehen [19.02.16-16.05.16]
Institutionen Kunstmuseum Liechtenstein [Vaduz/Liechtenstein]
Autor/in Daniela Hardmeier
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=160413155943HYK-13
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.