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Besprechung
5.2016


Tomáš Glanc :  Die Ausstellung von Pravoslav Sovák im Kunsthaus Zug, kuratiert von Matthias Haldemann, kann als Entdeckung des Altmeisters bezeichnet werden. Der böhmisch-schweizerische Künstler und Grafiker wird in der Zuger Retrospektive so komplex und so kompetent vorgestellt wie nie zuvor.


Zug : Pravoslav Sovák - Das langsame Auge


  
Pravoslav Sovák · Walls VII - UN Plaza, 1991, Kupferdruck


Eine Retrospektive, welche die konsequent auf wenige Themen und Techniken konzentrierte Kunst von Pravoslav Sovák (*1926) vorstellt, konnte man schon Anfang der Siebzigerjahre in verschiedenen Kunstvereinen oder später u.a. im Kupferstichkabinett Berlin, im Russischen Museum in Sankt Petersburg oder im MoMa in New York sehen. Dennoch scheint der Künstler, der seit 1978 in Hergiswil im Kanton Nidwalden wohnt, auf der internationalen Kunstszene wenig präsent zu sein. Dabei ist seine Kunst alles andere als lokal und seine Ausdrucksweise alles andere als fade.
Als Geburtsstunde seiner künstlerischen Signatur kann das Jahr 1957 gelten: Im Prager Stadtviertel Smíchov entdeckte der vom Kubismus faszinierte Sovák eine Kupferstichdruckerei. Das Verfahren der Radierung, der langsame, präzise Herstellungsprozess eines Bildes, entspricht perfekt dem «langsamen Auge» dieses Künstlers. Landschaften und urbane Konstellationen hatte er jahrelang aufmerksam wahrgenommen, analysiert und schrittweise in semiabstrakter Form, oft fragmentarisch, elliptisch, beunruhigend disparat und gleichzeitig komplex repräsentiert.
Die an Dürer und Rembrandt erinnernde traditionsreiche Technik dient Sovák zur Darstellung einer glühenden Gegenwart, die auf seinen persönlichen und zugleich auf unseren kollektiven Empfindungen basiert. Ab und zu leuchtet zwischen den unterkühlten, präzisen Meditationen über Natur und Zivilisation auch ein politisches Engagement auf. So gehörten zu seinem Motiv-Repertoire in den Sechzigern auch der Parteivorsitzende mit menschlichem Antlitz, Dubček, das ideologisierte Eishockeyspiel ČSSR gegen die Sowjets kurz nach der Okkupation, später dann auch ein Porträt von Heinrich Böll, das erst zwanzig Jahre nach der Begegnung mit dem Schriftsteller entstand. Doch generell dominieren in Sováks Bilderwelt Städte (Wände, Fassaden, Menschen) und Landschaften, seit den Siebzigerjahren auch US-amerikanische Wüsten und Wolkenkratzer. Und immer wieder die intensive Reflexion des Mediums, der Bildfläche, der Gravierung. Aber auch des Museums, der Kunstgeschichte, des Kanons, des Ereignisses einer Ausstellung. Deshalb ist es keine Überraschung, dass der späte Sovák nun scharfsinnige digitale Meditationen schafft. Die neuen Technologien evozieren beim Künstler allerdings keine oberflächliche Bilderflut, stattdessen reflektiert er die radikale Reproduzierbarkeit in seinem eigenen Universum in der ihm eigenen künstlerischen Konsequenz.

Bis: 29.05.2016



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Ausgabe 5  2016
Ausstellungen Pravoslav Sovak [05.03.16-29.05.16]
Video Video
Institutionen Kunsthaus Zug [Zug/Schweiz]
Autor/in Tomáš Glanc
Künstler/in Pravoslav Sovák
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