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Besprechung
5.2016


Remo Bitzi :  Alternative Realitäten stellen den gemeinsamen Nenner der zurzeit gezeigten Arbeiten im Haus Konstruktiv dar. Dabei sind Werke von fünf Künstlerinnen unterschiedlicher Generationen im Rahmen dreier Ausstellungen vertreten. Eine Künstlerin vermag herauszustechen: Ulla von Brandenburg.


Zürich : Dada mal anders - Drei Blicke auf Dada im Haus Konstruktiv

Mehrfache Täuschung

  
Ulla von Brandenburg · ­Curtains, 2011/2016, Museum Haus Konstruktiv


Los geht's mit einem Highlight: einer raumfüllenden Installation der in Paris lebenden deutschen Künstlerin Ulla von Brandenburg (*1974). Mit fünf Vorhängen tranchiert sie den ersten Raum. Und lädt dazu ein, die bühnenähnliche Installation zu betreten, durch die man nur geduckt unter den Stoffbahnen hindurchkommt. Entsprechend abenteuerlich fühlt sich das Durchqueren des Raums an. Auf der anderen Seite angekommen, stellen sich Fragen: Befindet man sich backstage oder im Publikum? Ist man Zuschauer oder Cast? Die Illusion gelingt.
Von Brandenburgs Position werden im ersten Obergeschoss unter dem Titel ‹Sss-Mm› Werke der britischen Künstlerin Sadie Murdoch (*1965) gegenübergestellt. Auch sie arbeitet mit Täuschungen, etwa wenn sie Sophie Taeuber-Arp imitiert und  in verwechselnd ähnlicher Pose hinter deren ‹Dada-Kopf› posiert. Murdochs Collagen sind durchaus clever, können aber mit der Leichtigkeit und Eleganz der eingangs gezeigten Installation nicht mithalten.
Das bestätigt sich eine Etage höher vor Ulla von Brandenburgs unterschiedlichen Wandbildern, Objekten und Videoarbeiten. Die Bilder - es sind Darstellungen von in theatralische Falten fallenden Stoffen  - suggerieren erneut Fragen nach der eigenen Position im Raum, in der Gesellschaft, im Leben. Zudem verleiht ihnen die Tonspur einer im Nebenraum gezeigten Videoarbeit etwas Verwunschenes. Die Arbeiten von Brandenburgs werden unter dem programmatischen Titel ‹Manchmal Ja, manchmal Nein› gezeigt. Das Vage, Ungewisse ist dabei stets spürbar und überzeugt.
Im dritten Obergeschoss schliesslich werden im Rahmen von ‹Dada anders› ­Arbeiten von drei Dada-Künstlerinnen gezeigt: Tuschzeichnungen und Objets trouvés von Elsa von Freytag-Loringhoven (1874-1927), Aquarelle von Hannah Höch (1889-1978) sowie Collagen und ein Kostüm von Sophie Taeuber-Arp (1889-1943). Dada verweigerte sich bekanntlich den Logiken seiner Zeit - und schuf so eigene Realitäten. Das wird beispielsweise in Taeuber-Arps Hopi-Kostüm von 1922 deutlich. In diesem Sinne passen die Arbeiten der Dadaistinnen gut zu den zeitgenössischen Positionen, doch wirkt dieser dritte Teil - auch in Anbetracht des in Zürich omnipräsenten Dada-Jubiläums - wie eine Pflichtübung.
Nach Verlassen des Museums Haus Konstruktiv ist man sich bewusst: Man wurde getäuscht. Mehrmals. Offensichtlich. So entpuppt sich die Verbindung zwischen den drei Ausstellungen, die alle doch recht deutlich mit der Idee von Illusion spielen, nicht etwa als feiner roter Faden, sondern als schweres triefendes Tauwerk.

Bis: 08.05.2016



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Ausgabe 5  2016
Ausstellungen Ulla von Brandenburg, Sadie Murdoch [25.02.16-08.05.16]
Video Video
Institutionen Museum Haus Konstruktiv [Zürich/Schweiz]
Autor/in Remo Bitzi
Künstler/in Ulla von Brandenburg
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