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Besprechung
5.2016


Kate Whitebread :  Das Haus Konstruktiv will es anders: Mit Werken von drei ­Frauen als Protagonistinnen der Dada-Bewegung im Dialog mit zwei Künstlerinnen der Gegenwart möchte das Museum unter den zahlreichen Veranstaltungen der Zürcher Institutionen zum ­Dada-Jubiläum einen eigenen Akzent setzen.


Zürich : Dada mal anders - Drei Blicke auf Dada im Haus Konstruktiv

Wie anders?

  
Sadie Murdoch · Immprrecision Optic, 2015, Courtesy Roberto Polo, Brüssel


Kostüme, Masken, Marionetten, Vorhänge, Bühnenräume: So die wiederkehrenden Leitmotive, die sich durch die Ausstellungen im Haus Konstruktiv ziehen. Im obersten Stock widmet sich eine historische Präsentation drei Frauen, die Dada auf je eigene Weise geprägt haben: Sophie Taeuber-Arp (1889-1943) in Zürich, ­Hannah Höch (1889-1978) in Berlin und Elsa von Freytag-Loringhoven (1874-1927) in New York. Auf direkte Gegenüberstellungen wird verzichtet, jede Künstlerin ist mit einer relativ spärlichen Werkauswahl in einem Raum vertreten und wird als ­eigenständige Position skizziert: von Freytag-Loringhoven als mögliche Erfinderin des Readymades und Performancekünstlerin avant la lettre, Höch als politische Meisterin der Montage und Taeuber-Arp als souveräne Exponentin der Überschneidung zwischen Konstruktivismus und Dada, was sich besonders in ihren handgefertigten Kostümen und der fragmentierten Geometrie ihrer Marionettenkörper zeigt. Die drei verbindet die Auseinandersetzung mit dem Körper und dem Performativen, womit die Ausstellung erfolgreich die Bedeutung gerade der weiblichen Protagonisten von Dada als Vorläufer des gesellschaftskritischen Potenzials von Performance behauptet.
Didaktisch verstärkt wird dieser Eindruck durch die beiden anderen Schauen, die weniger eine Wirkungsgeschichte von Dada in die Gegenwart aufzeigen, als dass sie im Archiv der historischen Avantgarden stöbern und dieses zur Bühne ihrer eigenen Inszenierungen machen. Sadie Murdoch (*1965, London) schreibt mit Bezug auf die Ästhetik der Collage ihren eigenen fragmentierten Körper in historische Aufnahmen von Interieurs (u.a. von Taeuber-Arp und von Freytag-Loringhoven) ein, während Ulla von Brandenburgs (*1974, Karlsruhe) vielschichtigen Filme, Fotografien und Objekte primär surrealistische Praktiken und Bildsprachen zitieren. Prägendes Thema ist hier die Ambivalenz der Bühne zwischen Illusion und Wirklichkeit. Dabei entzieht sich der Blick auf das Dargestellte: hinter jedem Bild ein weiteres. So ist es von Brandenburgs Installation mit ihrer dichten Abfolge von Bühnenvorhängen über einem erhöhten Bretterboden, die programmatisch den Eingang und zugleich den Ausgang der drei Ausstellungen markiert. Scheinbar perfekt schlägt sich der Bogen: diesmal zur Betrachterin selbst, die hier performativ die Szene betritt. Im Gegensatz zu den mutigen Gesten der Dadaistinnen lassen beide Positionen in der Flut von Selbstreflexion wenig Raum für Provokation oder Verweigerung. Aber wie von Brandenburgs Schattenspieler singen: «Keiner sass da, wo man alles sieht.»

Bis: 08.05.2016



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Ausgabe 5  2016
Ausstellungen Ulla von Brandenburg, Sadie Murdoch [25.02.16-08.05.16]
Video Video
Institutionen Museum Haus Konstruktiv [Zürich/Schweiz]
Autor/in Kate Whitebread
Künstler/in Sadie Murdoch
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