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Hinweis
5.2016




Emmenbrücke : Karin Lehmann und Hugo Suter


von: Fritz Balthaus

  
links: Hugo Suter · Mein Ateliervermieter wusch sein Auto, 1989, Papiervergrösserung s/w, 18,8x28,5 cm
rechts: Karin Lehmann · Florida, 2016, Serie von 10 Unikaten, Gips, Cyanotypie, je 7x8 cm (2 Teile)


Jahrelang hat Hugo Suter (1943-2013) an den Ufern des Hallwilersees nach Bildern geschürft. Diese flüchtigen Wasserformen haben ihren Weg durch seine Dunkelkammerbäder genommen, um als Fotos zu bleiben. Eine ähnliche Faszination am Entwickeln, Stoppen und Fixieren von Situationen lässt sich in den Plastiken von Katrin Lehmann (*1981) entdecken. Lena Friedli hat den Künstler und die Künstlerin in der Ausstellung ‹Flotsam› in Emmenbrücke zusammengeführt.
An den Wänden hängen Suters Fotos und an der Decke Lehmanns Gipsvorhänge. Sie wandern an gekurvten Rollschienen durch den bauhistorisch interessanten Raum. Beide teilen dieselbe Leidenschaft: fliessende Übergänge, luftige und flüssige Zustände für den kostbaren Moment des Zeigens anzuhalten.
Suters künstlerische Mittel verweisen auf das Wetters selbst, denn Licht, Nebel, Staub, Wasser, Sand, Glas, der eigene Atem und Eiskristalle sind die Aggregatszustände seiner Faszination. In seiner Welt scheint das Glas sogar aus Wasser gemacht zu sein. Die Vorstellung liegt nahe, dass das von ihm verwendete Bilderglas aus dem geschmolzenem Quarzsand vom Ufer des Hallwilersees stammen könnte und auch der matte Hauchfleck auf dem Glas sandgestrahlt wurde. Zu einem Hauptbild erstarrt, ist das harte Glas Form und weichgezeichneter Inhalt zugleich. Auf einem anderen Foto ist eine beschlagene Autoscheibe zu sehen, von der herunterlaufende Wassertropfen ein viel­adriges Flussdelta ziehen: ‹Mein Atem...›, 1988. Eines der Fotos heisst: ‹Mit schneller Handbewegung weggewischerter Staub auf einem Glas, das die Reproduktion von Böcklins Pan im Schilf zeigt›, 1988. Verstaubte Bedeutungstiefe mit einem Handstreich an die Bildoberfläche geholt. Indem Suter den ‹Abguss der bewegten Wasseroberfläche in Bruchteilen einer Sekunde› festhalten wollte, scheint er die zweidimensionalen Fotografie mit ihren Verschluss- und Belichtungszeiten durch Abguss-, Fixier- und Härtezeiten von plastischem Material ersetzen zu wollen: ‹Sofortrelief›, 2004/5.
Karin Lehmann tränkt ihre von Sackleinen zusammengehaltenen Gipsvorhänge und die Pampelmusenabgüsse nachträglich mit Cyanotypie-Blau und überlässt die Farbe dem Lichtgeschehen während der Ausstellungszeit. Die blaue Flüssigkeit stammt aus einem vergessenen fotografischen Bildverfahren, das nicht mehr auf Silbersalz beruht, sondern auf Eisen. So verändert das Licht die Farbintensität der grossformatigen Vorhänge. Diese beeinflussen ihrerseits die gesamte Licht-, Blick- und Raumsituation, indem sie unterschiedliche Positionen im Raum einnehmen können.

Bis: 29.05.2016



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Ausgabe 5  2016
Ausstellungen Karin Lehmann, Hugo Suter [16.04.16-29.05.16]
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Institutionen akku/Kunstplattform [Emmenbrücke/Schweiz]
Autor/in Fritz Balthaus
Künstler/in Hugo Suter
Künstler/in Karin Lehmann
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