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5.2016




Winterthur : Total Records


von: Nicola Schröder

  
links: Irving Penn · Miles Davis · Tutu, 1986, Courtesy Warner Bros. Records
rechts: Total Records · 2016, Ausstellungsansicht Fotomuseum Winterthur. Foto: Philipp Ottendörfer


Mit ‹Total Records› wird im Fotomuseum Winterthur ein Stück Zeitgeschichte aufgefächert. Wohl kaum ein anderes Produkt, das mal funktional gedacht war, transportiert so viele kulturhistorische Umgebungsgeräusche wie die Schutzhülle einer Schallplatte. Die französischen Kuratoren der zuvor in Arles gezeigten Ausstellung haben dafür eine beträchtliche Anzahl fotografisch gestalteter Exemplare zusammengetragen. Schnell wird hier die Bedeutung des Mediums und der enge Bezug zur Geschichte der Fotografie deutlich. Dazu gehört auch, dass man sich automatisch auf die Suche nach Vertretern aus dem eigenen Plattenschrank macht, um dann ihre entsprechenden Akkorde im Kopf mitzunehmen. Die Handschrift einiger bedeutender Fotografen und Künstler entdeckt man da, darunter Richard Avedon, Andy Warhol, Helmut Newton oder Irving Penn. Über sie vermischen sich Musik und Kunst mit der Alltagskultur und gesellschaftlichen Tendenzen zu sozial- und kunsthistorischen Zeugnissen, die spürbar etwas mit der eigenen Geschichte zu tun haben. Etwas befremdlich zwar wirkt hier die Aussage eines Kurators, dass man die Platten für die Ausstellung entnommen, sie aber nie angehört habe, doch tatsächlich bleiben genug andere Aspekte. Die Cover sind in diverse Gruppen nach Fotografen, Musikern, Labeln oder unter dem Gesichtspunkt der Vorbildfunktion geordnet. Ein eindrückliches Beispiel für den Fundus von Geschichten und Biografien, die sich hier verbergen: Für Patti Smith war das Cover ihres ersten Albums ‹Horses› - aufgenommen 1972 im legendären Electric-Lady-Studio und später als Schlüsselalbum des Punkrock identifiziert - nicht weniger als «die Scheide für ihr akustisches Schwert». Für sie hatte von Anfang an festgestanden, dass niemand anders als Robert Mapplethorpe das Foto für dieses Cover schiessen sollte. Im Buch ‹Just Kids›, der autobiografischen Hommage an ihre enge Freundschaft mit Mapplethorpe, liess Patti Smith das eher intime Ereignis dieses Fotoshoots zwischen zwei jungen unbekannten Künstlern erst vor wenigen Jahren nochmal lebendig werden: Wie sie sich eigens einen Stapel weisser Oberhemden bei der Heilsarmee dafür gekauft hatte und sich mit Robert an einem bewölkten Tag bei Maisgrütze den Tag vertrieb, um auf das nötige Licht zu warten. Heute sehe sie in dem Foto, dem Mapplethorpe «Magie» zugesprochen hatte, nie sich selbst, sondern immer sie beide.

Bis: 16.05.2016



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Ausgabe 5  2016
Ausstellungen Total Records - Vinyl und Fotografie [27.02.16-16.05.16]
Video Video
Institutionen Fotomuseum Winterthur [Winterthur/Schweiz]
Autor/in Nicola Schröder
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