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5.2016




Zürich : Dadaglobe und Dada universal


von: Alice Henkes

  
links: Dada Universal · Ausstellungsansicht Landesmuseum Zürich, 2016
rechts: Francis Picabia · Tableau Rastadada, 1920, Collage und Tinte auf Papier, 19x17,1 cm ©ProLitteris, Museum of Modern Art, New York


Dada feiert in diesem Jahr den hundertsten Geburtstag. Anlässlich des Jubiläums haben sich vor allem die grossen Zürcher Museen auf Dada eingestellt und versuchen etwas von einem ephemeren Kunstereignis zu vermitteln, das nur schwer in Museen passt.
«Dada wurde in einem Lexikon gefunden, es bedeutet nichts. Dies ist das bedeutende Nichts, an dem Nichts etwas bedeutet. Wir wollen die Welt mit Nichts ändern...», erklärte Richard Huelsenbeck im Frühjahr 1916 im Cabaret Voltaire. Das bedeutsame Nichts namens Dada feiert in diesem Jahr seinen hundertsten Geburtstag, Anlass für zahlreiche Ausstellungen, Veranstaltungen und Veröffentlichungen, die versuchen, der Bewegung, die keine war, ein Denkmal zu setzen. Vor allem die Ausstellungen haben dabei ein grosses Problem: Wie zeigt man ein Phänomen der Moderne, das zu einem nicht unerheblichen Teil aus ephemeren Darbietungen bestand und aus einer ironisch-kritischen Geisteshaltung? Alle grossen Zürcher Museen haben sich der Herausforderung gestellt, mit unterschiedlichem Geschick.
Juri Steiner und Stefan Zweifel haben im Landesmuseum mit ‹Dada universal› eine Ausstellung präsentiert, die mit ihrer Materialfülle, der spürbaren Akribie und Lust am Thema der beiden Kuratoren beeindruckt hat. Die durchaus museal wirkende Präsentation erschien als geschickter Kniff, um das quecksilbrige Thema und ­einen dadaistischen Erneuerungsgeist von Echnaton bis in die Gegenwart überhaupt präsentabel machen zu können. Es ist wie im Theater: Die verrücktesten Komödien funktionieren oft am besten, wenn sie möglichst zurückhaltend inszeniert werden.
Sehr sachlich zeigt sich auch die Ausstellung im Kunsthaus Zürich, die der von Tristan Tzara geplanten Publikation ‹Dadaglobe› gewidmet ist. Tzara konnte das Buch, für das er Beiträge von Dadaisten in aller Welt erbat, nicht realisieren. Das Kunsthaus Zürich legt es nun als Teil des Ausstellungskatalogs vor. Diese Publika­tion ist hier das eigentliche Ereignis, die damit verknüpfte kleine Ausstellung präsentiert Briefwechsel, Fotografien, Grafiken, dich sich gut auch im Katalog betrachten lassen.
Das Haus Konstruktiv spürt unter dem Titel ‹Dada anders› drei Dada-Künstlerinnen nach. Neben Hannah Höch und Sophie Taeuber-Arp präsentiert es die weitgehend unbekannte Elsa von Freytag-Loringhoven, die in der New Yorker Dada-Szene als Erfinderin der Performance galt. Ihr Schaffen ist nur sehr lückenhaft dokumentiert, und die mit wenigen Leihgaben luftig inszenierte Schau lässt Raum für die Frage, warum Frauen in der Kunst meist schneller vergessen werden als Männer und wie man eine Kunst zeigt, die aus Gesten, Gedanken und Ironie besteht.

Bis: 08.05.2016



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Ausgabe 5  2016
Ausstellungen Dada Universal [05.02.16-28.03.16]
Ausstellungen Dadaglobe Reconstructed [05.02.16-01.05.16]
Ausstellungen Dada anders [25.02.16-08.05.16]
Video Video
Institutionen Schweizerisches Landesmuseum [Zürich/Schweiz]
Institutionen Kunsthaus Zürich [Zürich/Schweiz]
Institutionen Museum Haus Konstruktiv [Zürich/Schweiz]
Autor/in Alice Henkes
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