Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Hinweis
6.2016




Basel : Surrealism & Beyond


von: Alice Henkes

  
links: Leo Copers · Couple, 1990, 2 Karaffen gefüllt mit Wein, 32x12x10 cm ©ProLitteris, Courtesy Andreas Zimmermann & von Bartha
rechts: Joan Brossa · Artrtista, 1986, Kunstblumen, Staffelei, 188x56x53 cm ©ProLitteris, Courtesy Andreas Zimmermann & von Bartha


Das Obskure und Fantastische macht den Geist des Surrealismus aus, der heute wieder wachsendes Interesse weckt, vielleicht mit seinem Angebot, die Welt auf andere Weise zu betrachten als in Form von Zahlen, Statistiken, Rankings. Die Ausstellung ‹Surrealism & Beyond›, die der belgische Künstler und Kurator Erich Weiss für die Galerie von Bartha eingerichtet hat, vereint surrealistische Kunst aus verschiedenen Jahrzehnten. Allerdings nicht in den weitläufigen Räumen der von Bartha Garage am Kannenfeldplatz, sondern in dem bis vor knapp zehn Jahren als Galerie genutzten Parterre des Wohnhauses der Galeristen. Die Räumlichkeiten bieten einen intimen Rahmen für eine Ausstellung, die dunklere und weniger prominente Positionen des Surrealismus präsentiert. Dazu gehören zum Beispiel einige der seltenen Lithografien, die René Magritte (1898-1967) unwillig und nur auf Drängen seiner Frau angefertigt hat. Die Gattin dachte dabei schlicht ans Geschäft. Daneben sind Schweizer Surrealisten wie Otto Tschumi (1904-1985) und Kurt Seligmann (1900-1962) in der Ausstellung vertreten, Künstler, die das Pech hatten, von den politischen Zeitläufen ins Abseits gedrängt zu werden. Tschumi ist, zumindest vielen Berner Kunstfreunden, noch ein Begriff. Auf dem internationalen Kunstmarkt indes spielen diese Schweizer Surrealen keine grosse Rolle.
Der Kurator interessiert sich vor allem für diese «Schattenfiguren» des Surrealismus, die in ihrer Bekanntheit deutlich hinter den grossen Stars wie Magritte oder Bellmer zurückblieben. Die Ausstellung bindet auch künstlerische Positionen mit ein, die allenfalls indirekt mit dem Surrealismus Berührung haben, wie den deutschen Art-brut-Künstler Friedrich Schröder-Sonnenstern (1892-1982). Daneben hat Weiss eine Reihe erfolgreicher Gegenwartskünstler eingeladen, deren Arbeiten dem Geist des Surrealismus verbunden sind. Zwei sehr schöne Positionen stammen von dem belgischen Künstler Leo Copers (*1947), der zwei mit Gift versetzte Weinkaraffen als ‹Couple›, 1990, deklariert und eine im Museumsshop erworbene Kopie von Rodins Denker in rastloser Hirnzermarterung auf dem Kopf kreiseln lässt: ‹Spin-Thinker›, 2013. Der britische Künstler Gavin Turk (*1967) schlägt einen Bogen zwischen historischem und zeitgenössischem Surrealismus, indem er Motive von Magritte aufgreift und neu ausformt. In der Ausstellung wirken diese Arbeiten wie ein raffiniertes Scharnier.

Bis: 19.06.2016



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 6  2016
Ausstellungen Surrealism & Beyond [22.04.16-19.06.16]
Institutionen Galerie Von Bartha Collection [Basel/Schweiz]
Autor/in Alice Henkes
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=160518102034AAA-14
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.