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6.2016




Winterthur : Heinz Egger


von: Alice Henkes

  
links: Heinz Egger · Der Arm, Kreide, Kohle und Öl auf Papier
rechts: Heinz Egger · Aus der Tiefe - Tanz, 1985/2014, Kreide, Kohle und Öl auf, Papier, 190x150 cm


Schwärze ist eines der zentralen Gestaltungselemente in vielen der Gemälde und Grafiken Heinz Eggers (*1937). Eine Schwärze, die unterschiedliche Intensitäten kennt und nie absolut ist. Auf einem von Eggers grossen Nachtbildern ‹ohne Titel› zeichnet sich beispielsweise im Vordergrund etwas Helligkeit ab, ein kleines Gewässer vielleicht, mit gekräuselter Oberfläche. Daneben dichte Dunkelheit, wie von Gebäuden, darin einzelne Lichter. Diese Nachtbilder erinnern an Momente der Orientierungssuche, wenn man erwacht oder aus einem hellen Raum ins Dunkle tritt oder umgekehrt. Denn im künstlerischen Kosmos Heinz Eggers gibt es auch weisse Bilder, in denen Spuren von Farbe meist eher zu erahnen als wirklich sichtbar sind. Wie in den schwarzen Bildern lassen sich auch in den hellen Gemälden angedeutete Objekte und Landschaften ausmachen.
Der in Burgdorf lebende Egger erzählte einmal, wie er als Kind von einem Märchenbuch gefesselt wurde, auf dessen Umschlag ein Waldpfad abgebildet war. Er habe sich oft vorgestellt, diesen Pfad weiterzugehen. In seinen Bildern und Grafiken bewegt sich Egger, der auch als Buchillustrator und Bühnengestalter tätig war, kontinuierlich fort auf diesem imaginären Waldweg, der freilich nicht nur durch eine Welt der Wunder und Schönheiten führt. In den Schichten aus Dunkelheit oder - im Fall der weissen Bilder - der Helligkeit, finden sich immer wieder auf die Natur verweisende Elemente. Aber auch Motive, die auf die Lektüren und Gedanken des belesenen Künstlers verweisen, auf seine künstlerische Auseinandersetzung mit Vorbildern wie Goya, aber auch auf Zeitgeschehen. Ein Thema, das sich durch fast sämtliche Arbeiten zieht, ist Krieg und Gewalt. Oft kaum merklich in die Dunkelheit verwoben erscheinen Soldaten und Geschütze. Geheimnisvolle Schächte und Treppen, Bunker, Schienen, Orte ohne Namen, an denen das Grauen zu wohnen scheint.
Doch Egger nutzt den dunklen Bildraum nicht nur, um existenzielle Ängste und Bedrohungen zu verhandeln. Sein Werk kennt auch den leichteren Grusel des Märchenhaften und die nachdenkliche Schwärze der Melancholie. Es gibt dunkle Bilder, die deutlich von Eggers Vertrautheit mit der Bühne künden, die imaginäre Räume öffnen, in denen schattenhafte Naturimpressionen und Zitate aus der Kunstwelt eine wohlige Unheimlichkeit ausstrahlen.

Bis: 26.06.2016



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Ausgabe 6  2016
Ausstellungen Heinz Egger, Trudi Liggenstorfer [21.05.16-26.06.16]
Institutionen oxyd Kunsträume [Winterthur/Schweiz]
Autor/in Alice Henkes
Künstler/in Heinz Egger
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