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6.2016




Yverdon : Totchic


von: Katharina Holderegger Rossier

  
links: Totchic, 2016, Ausstellungsansicht CACY (Installation von Elisabeth Llach). Foto: Claude Cortinovis
rechts: Totchic, 2016, Ausstellungsansicht CACY (Installation von Anne Hildebrand). Foto: Annick Wetter


Karine Tissots bespielt das von ihr geleitete CACY nie eingleisig. Selbst wenn sie eine Einzelausstellung ankündigt, verbergen sich in den Räumen des Centre sowie an verschienenen zusätzlichen Schauflächen in der Stadt oft Werke weiterer Kunstschaffender, welche die Hauptposition erweitern, unterlaufen, umkehren. So kann Tissot grössere Felder ausstecken sowie stets auch jüngere Kunstschaffende einbeziehen und dabei erfahreneres wie noch unschuldiges Kunstpublikum gleichfalls begeistern. Die aktuelle Schau, deren Titel ‹Totchic› einem Bilderzyklus von Elisabeth Llach (*1970) entlehnt ist, verlangt jedoch allen besondere Geistesbeweglichkeit und Einfühlungsvermögen ab. So lotst uns Llach zuerst in mit Stoff ausgeschlagene und von warmem Licht durchflutete Räume. Fast etwas verschämt verstricken wir uns hier sogleich in ihre bläulich oder rötlich angehauchten Grisaillen von Frauen, die ihre Reize auf stereotype Weise ausspielen, während sich die dazwischen gestreuten Installationen aus Spitzen-, Pelz- und Lederexponaten aus dem benachbarten Musée suisse de la mode erst allmählich als eine verwandte Auslotung von Koketterie und Morbidität zu erkennen geben. Anne Hildbrand (*1985) lässt uns daneben über wie nach dem Auspacken einer Kunstwerktransportkiste liegen gebliebene Eisenriemen stürzen und vor einem Flügel zugleich besorgt zu den aus dem Estrich des CACY geholten und bis unter die Decke gestapelten, granit- und marmorgeäderten Sockeln aufblicken. Und schliesslich ist vor dem Back Office auch noch ein Vorgeschmack auf die Ausstellung von Estelle Fereira (*1979) im Théâtre de l'Echandolle zu entdecken, die in beinahe schmerzhaft hyperrealistischen Zeichnungen Köpfe mumienartig mit Papier, Stiften und Klammern verpackt - also just mit den Dingen, die zu ihrer Erzeugung nötig sind. Was für Wechselbäder! Doch wird die den drei Frauen gemeinsame Lust, es spielerisch mit der Macht des Verdrängten aufzunehmen, vielleicht umso deutlicher - handle es sich dabei um die physisch-erotischen Komplexe von überkommen geglaubten Geschlechterhierarchien oder um Darstellungsfragen, Materialien und Techniken der Kunst. Bei keiner der drei Frauen geht es jedoch nur um eine höllisch spassige Geisterstunde, sondern um eine Anhebung des Bewusstseins.

Bis: 29.05.2016



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Ausgabe 6  2016
Ausstellungen Elisabeth Llach [19.03.16-29.05.16]
Institutionen Centre d’art contemporain [Yverdon-les-Bains/Schweiz]
Autor/in Katharina Holderegger Rossier
Künstler/in Elisabeth Llach
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