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Besprechung
7/8.2016


Raimar Stange :  In der Ausstellung ‹Culture, Language & Thought› gelingt Bethan Huws gleich zweierlei: Zum einen inszeniert sie einen konzentrierten Überblick über ihr bisheriges künstlerisches Schaffen, zum anderen treten dabei die ausgewählten Werke in einen ­Dialog mit Exponaten des Kölner Kolumba-Museums.


Köln : Bethan Huws - Artistische Spielsprachen


  
Bethan Huws · Culture, Language & Thought, 2016, Ausstellungsansicht Kolumba, Köln ©ProLitteris. Foto: Lothar Schnepf


Die Vielschichtigkeit von Sprachen steht im Zentrum des so konzeptuell-strengen wie gleichzeitig poetisch-verspielten Arbeitens von Bethan Huws. In ‹Culture, Language & Thought› hat die Künstlerin Werke aus ihrem Œuvre so ausgewählt, dass das ganze Spektrum deutlich wird, denn Textvitrinen werden hier ebenso vorgestellt wie ein Video, Künstlerbücher, Objekte und eine Neon-Installation. Zudem setzt Huws diese Artefakte in einen spannenden Dialog mit der Sammlung des ­Kolumba-Museums, nämlich mit der Designsammlung von Werner Schriefers und dem ausgestellten Severinuszyklus. Dieser Dialog betont die Intertextualität, die dem Werk von Huws ohnehin schon eingeschrieben ist. Als Motto für die überzeugende Ausstellung kann ‹Certain›, 2003/2016, gelesen werden: Auf einem Vorhang im Museum hat Huws das Wort «Certain» aufgebracht. Einerseits benennt diese Buchstabenfolge genau die Sicherheit, die sie zugleich wieder aufhebt, denn phonetisch und durch ihre Verortung auf dem Vorhang spielen die Buchstaben selbst(un)verständlich auch auf ‹Curtain› an. Andererseits zitiert die Arbeit Ludwig Wittgensteins Schrift ‹On Certainty›, 1969. Das Licht klarer Erkenntnis also ist hier getrübt, nicht nur durch semantische Unklarheiten, sondern zudem konkret dadurch, dass ein Vorhang nun mal dazu da ist, Licht abzudunkeln.
In der Installation ‹ohne Titel›, 2016, platziert die Künstlerin auf zwei flachen Holzpodesten Exponate aus Schriefers' Designsammlung, Gläser und Vasen. Dazugelegt sind von ihr selbst gefertigte Objekte, die auf diese Exponate reagieren, so das gläserne Remake eines ‹Flaschentrockners›, 1914, von Marcel Duchamp, und Ricard-Gläser, auf denen «Richard Hamilton» zu lesen ist. Der Verweis auf Duchamp setzt Schriefers Sammlung in eine Nähe zum Readymade, adelt diese künstlerisch und variiert so den Prozess, den Duchamp einst initiierte: Seiner Forderung nach Alltäglichkeit von Kunst tritt hier die Behauptung der Künstlichkeit des Alltags zur Seite. Auch dass die Farbigkeit der Schriefer-Exponate - blau, weiss braun - die vorherrschende Farbigkeit der im selben Raum hängenden Bilder des Severinuszyklus wiederholen, unterstreicht dieses Moment. Damit nicht genug der Intertextualität: Die Ricard-Gläser wiederum spielen an auf Richard Hamiltons Strategie, auf einem handelsüblichen Ricard-Glas klammheimlich ein «h» so hinzuzufügen, dass dort «Richard» zu lesen war. Sehr sehenswert!

Bis: 22.08.2016



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Ausgabe 7/8  2016
Ausstellungen Bethan Huws [08.04.16-22.08.16]
Institutionen Kolumba [Köln/Deutschland]
Autor/in Raimar Stange
Künstler/in Bethan Huws
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